Frankreich will Ausstieg aus Atomkraft verlangsamen

Die Pariser Regierung will den bisherigen Zeitplan für eine Energiewende hin zu weniger Atomstrom in Frankreich über Bord werfen. Das gesetzliche Ziel, den Atomanteil an der Stromproduktion auf 50 Prozent zu senken, soll mit Blick auf den Klimaschutz erst mehrere Jahre später erreicht werden.

„Wenn man am Datum 2025 festhalten will, (...) wird das zum Nachteil unserer Klimaziele geschehen“, sagte Umweltminister Nicolas Hulot gestern nach einer Kabinettssitzung in Paris. Denn dann müsse im Gegenzug die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen angekurbelt werden.

Umweltminister spricht von „realistischem Ziel“

Bisher sind die 58 Atomreaktoren des Landes für etwa drei Viertel der französischen Stromproduktion verantwortlich. Hulot sprach sich dafür aus, im kommenden Jahr ein „realistisches Datum“ für das Ziel festzulegen - mit einem klaren Fahrplan, wann wie viele Reaktoren abgeschaltet werden. Im Sender Public Senat nannte er als mögliche Frist „2030 oder 2035“.

„Die Regierung hat sehr klar ihren Wunsch bekräftigt, das Ziel von 50 Prozent Atomanteil so schnell wie möglich zu erreichen“, versicherte Hulot, „aber natürlich ohne unsere Ziele zum Klimawandel zu opfern oder zu beschneiden.“

Präsident Emmanuel Macron hatte in seinem Wahlprogramm unter anderem versprochen, bis 2022 die letzten Kohlekraftwerke des Landes zu schließen. Das Klimaschutzbündnis Reseau Action Climat kritisierte Hulots Ankündigung und sprach von einem „Rückzieher“.

Kritik an unterlassenen Maßnahmen

Unter der damaligen sozialistischen Regierung war 2015 ein Energiewendegesetz verabschiedet worden, in dem das 50-Prozent-Ziel für 2025 festgeschrieben wurde. Hulot kritisierte, dass seitdem keine Maßnahmen ergriffen worden seien, um das auch zu erreichen.

Die Machbarkeit der Vorgabe ist schon länger umstritten. Der frühere Umweltaktivist, der von Macron im Mai in die Regierung geholt worden war, will mit der mehrjährigen Energieplanung im kommenden Jahr nun einen neuen Fahrplan vorlegen.