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Kommission präsentiert Ergebnis

Dem Islamforscher Ednan Aslan kann im juridischen Sinn kein wissenschaftliches Fehlverhalten bei der Erstellung seiner Studie zu islamischen Kindergärten in Wien vorgeworfen werden. Sie weist aber sehr wohl Mängel auf - etwa auch Passagen, die im Außen- und Integrationsministerium umgeschrieben wurden.

Das ist das Ergebnis einer Prüfung der Arbeit, die von der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) unter der Leitung von Stephan Rixen (Universität Bayreuth) durchgeführt wurde. Die Stellungnahme der Kommission wurde am Mittwoch vom Rektor der Universität Wien, Heinz W. Engl, präsentiert.

Heinz W. Engl, Cornelia Blum

APA/Hans Punz

Die Präsentation des Ergebnisses der Prüfung der Studie an der Universität Wien

Aufregung seit 2015

Die Expertise ist laut Engl 32 Seiten stark. Sie fußt auf mehreren externen Gutachten. Das gesamte Prüfergebnis sei noch nicht einsehbar, wie er betonte. Denn dafür sei die Zustimmung Aslans nötig, der derzeit noch im Ausland weile.

Die „Pilotstudie“ zu islamischen Kindergärten und -gruppen wurde vom Integrationsministerium in Auftrag gegeben und finanziert. Ein erster Zwischenbericht wurde 2015 vorgelegt. Schon damals wurden von Kritikern Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Arbeit geäußert. Später sorgten Berichte für Aufsehen, wonach Ergänzungen des Textes im Ministerium vorgenommen worden sein sollen.

„Wissenschaftliche Güte“ teils angezweifelt

Vorsätzliche Verstöße gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis konnten aber nicht geortet werden, hieß es. Diese hätten möglicherweise sogar strafrechtliche Konsequenzen, wie Engl weiter sagte. Das Ergebnis der Studie wurde ebenfalls nicht infrage gestellt. Jedoch: Die „wissenschaftliche Güte“ der Studie sei in den einzelnen Gutachten (etwa aus den Bereichen Frühpädagogik, Islamwissenschaften und Wissenschaftssoziologie, Anm.) zum Teil angezweifelt worden.

„Es ist keine tolle Studie, aber im strengen juristischen Sinn wurde wissenschaftliches Fehlverhalten nicht nachgewiesen“, so Engl. Der Leiter der Kommission, der deutsche Jurist Stephan Rixen, wurde aus Bayreuth zugeschaltet - und präzisierte: „Die Gutachten sagen durchaus, dass es immer wieder Stellen gibt, die nicht nachvollziehbar sind.“ Nicht alles sei „nobelpreisverdächtige Forschung“.

Rixen: Einfluss seitens des Ministeriums

Die Schwächen waren laut den Prüfern vor allem methodischer Art. Manchmal seien, so wurde kritisiert, zu pauschale Aussagen in der Kindergartenexpertise getroffen worden. Die Frage, ob die „Mindestbedingungen“ in Sachen wissenschaftliches Arbeiten insgesamt unterschritten worden seien, habe man aber verneint.

Rixen stellte aber auch klar: „Es steht außer Streit, dass es Einfluss seitens des Ministeriums gab.“ Im entsprechenden Fördervertrag sei zwar keine Rede davon gewesen, dass das Ministerium am Abschlussbericht mitwirken dürfe - das sei aber geschehen. Aslan habe mit dem Ministerium zum Teil „sehr intensiv zusammengearbeitet“. Oft sei es dabei nur um sprachliche bzw. redaktionelle Änderungen gegangen. Aber: In einigen wenigen Fällen hätten auch „Inhaltsverschiebungen“ stattgefunden.

Schriftliche Stellungnahme des Ministeriums

Der Rechtswissenschaftler führte jenes im „Falter“ zitierte Beispiel an, wonach Aslan ursprünglich formuliert haben soll, dass auch muslimische Eltern in den Kindergärten für ihre Kinder „Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln“ suchten. In der Neuformulierung habe es geheißen: „Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden.“

„Das ist einer der wenigen Fälle, in dem man sagen muss: Das ist eine inhaltliche Verschiebung, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar ist“, konstatierte Rixen. Die Kommission hatte mit Aslan selbst gesprochen, der laut den Prüfern versichert hatte, dass sämtliche Änderungen auf seine Anweisung hin geschehen seien. Mit den betreffenden Beamten des Ministeriums gab es zumindest keine persönlichen Gespräche. Von dort sei eine schriftliche Stellungnahme eingelangt, wurde am Mittwoch betont.

Engl will „Firewall“

Unirektor Engl kündigte die Erarbeitung von Richtlinien an, die künftig die - durchaus erwünschte, wie er versicherte - Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik regeln sollen. Möglich sei die Schaffung einer Art „Firewall“, die verhindern solle, dass auch nur der Anschein irgendeiner Art von Beeinflussung entstehe.

Auch sei zu überlegen, ob die Veröffentlichung von „Pilotstudien“, die nur die Basis für weitere Forschung liefern sollen, in „politisch heiklen Fällen“ überhaupt sinnvoll sei. Professor Rixen zeigte sich ebenfalls überzeugt: „Jetzt müssen wir überlegen, wie können wir künftig klare Regeln schaffen, dass solche grenzgängerischen Interventionen möglichst verhindert werden.“

Zweite Studie wird erarbeitet

Die Frage, welche Note er der Arbeit Aslans gegeben hätte, wollte der Rektor der Universität Wien nicht beantworten. Er sei Mathematiker und könne die Studie darum inhaltlich nicht beurteilen, sagte Engl. Vorsichtige Zweifel ließ er aber dann dennoch walten: Die statistische Datenbasis sei für manche Aussagen „viel zu gering“. Das sei zumindest sein Eindruck. Derzeit wird eine zweite Studie zu dem Thema erarbeitet. Darauf haben sich Stadt und Bund 2015 verständigt. Der Abschluss der Untersuchung wurde noch für heuer in Aussicht gestellt.

Kurz fordert Entschuldigung bei Aslan

Aus Sicht von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) habe die externe Prüfung der Studie bestätigt, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliege. Er forderte daher eine Entschuldigung der Kritiker bei Aslan und den Beamten. Wie von seinem „Team“ bereits erklärt worden sei, habe es bei der Erstellung der Studie „keine Manipulation“ gegeben, das habe die Prüfung bestätigt, so Kurz am Rande der ÖVP-Klubsitzung am Mittwoch. Es liege kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor. Der Ressortchef zeigte sich „froh“ über das Ergebnis - „was wir immer gesagt haben“.

„Kinder wachsen abgeschottet auf“

Kurz forderte nun, dass sich jene, die versucht hätten, Aslan anzupatzen, und auch „massive Vorwürfe“ gegen Beamte erhoben haben, Gedanken darüber machen, ob es nicht richtig wäre, sich bei diesen zu entschuldigen. Der ÖVP-Chef sagte außerdem: „Sollte ich Bundeskanzler werden, werde ich mit aller Kraft gegen die Fehlentwicklungen in islamischen Kindergärten in Wien vorgehen“, denn in diesen Einrichtungen würden Kinder abgeschottet, sagte er. Es sei falsch, islamische Kindergärten, in denen Kinder abgeschottet aufwüchsen, mit Steuermitteln zu finanzieren, das sei das Gegenteil von Integration.

Um zu sehen, dass es hier Fehlentwicklungen gebe, brauche es aber gar keine Studie, meinte er weiters. Der Vorwurf der Kritiker sei aber gewesen, dass die Studie manipuliert worden sei, und das sei „falsch“. Nun solle man nicht andere Themen in den Vordergrund rücken, er habe auch nie den Vorwurf gehört, dass es problematisch sei, eine Pilotstudie zu präsentieren. Gegen Aslan habe es vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) „und anderen fast eine Rufmordkampagne“ gegeben. Sie sollten nun nachdenken, wie sie damit umgingen, dass wochenlang etwas behauptet worden sei, das „unrichtig“ sei, so Kurz.

„Falter“ berichtete von Manipulationen

Die Universität Wien hatte im Sommer angekündigt, die umstrittene Studie einer wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen. Der „Falter“ hatte vor der Ankündigung der Uni Wien ein Dokument veröffentlicht, wonach die Studie von Beamten des Außen- und Integrationsministeriums manipuliert und zugespitzt worden sein soll. Die Vorstudie sei dadurch auf das von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) politisch gewünschte Ergebnis hingetrimmt worden, so die Kritik. Aslan und das Ministerium bestritten das.

Aslan: Ministerium änderte Inhalt nicht

Die OeAWI wurde daraufhin von der Uni Wien beauftragt, die umstrittene Expertise zu prüfen. Das sei geschehen, da Vorwürfe erhoben wurden, die Studie entspreche nicht den „Standards der guten wissenschaftlichen Praxis“, hieß es.

Aslan selbst hatte die Vorwürfe damals zurückgewiesen. Er stehe zu allen Inhalten und Formulierungen der Studie. Vom Ministerium seien Anmerkungen formaler oder redaktioneller Natur gekommen, inhaltliche Änderungen habe nur er selbst vorgenommen. Via Twitter wies der Professor für islamische Religionspädagogik im Sommer auch zurück, dass Textpassagen gestrichen worden seien. „All jene Texte, die ich an den betreffenden Stellen herausgenommen habe, können Sie in verschiedenen anderen Stellen finden“, sagte Aslan.

Laut Integrationsministerium gab es insgesamt 890 Anmerkungen zum Studientext: 256 davon betrafen Satzzeichen, Format und Gendern, 170 Grammatik- und Zeitfehler, 148 Lektorat, insbesondere Satzstellung, 116 Rechtschreibung bzw. Groß- und Kleinschreibung, 87 Quellen- und Fußnotenanmerkungen, 59 Kommentare an der Seite, 19 die Verschiebung von Satzteilen und Passagen und 35 inhaltliche Anmerkungen, die von Aslan in Auftrag gegeben wurden.

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