Themenüberblick

Kronprinz baut für Thronübernahme vor

In Saudi-Arabien sind Insidern zufolge weitere führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Unter ihnen seien Personen mit Verbindungen zur engsten Familie des verstorbenen Kronprinzen und Verteidigungsministers Prinz Sultan bin Abdelasis, hieß es am Mittwoch aus dem Umfeld der Ermittlungen.

Andere der Festgenommenen seien Manager und weitere Unternehmensvertreter. Zudem seien zusätzliche Bankkonten eingefroren worden. Von der laufenden Verhaftungswelle betroffen sind Dutzende Mitglieder der Königsfamilie, Spitzenpolitiker und führende Geschäftsleute. Ihnen werden unter anderem Geldwäsche, Bestechung, Erpressung und Amtsmissbrauch zur Last gelegt.

Viele Bürger Saudi-Arabiens begrüßen die Maßnahmen der neu geschaffenen Antikorruptionsbehörde. Zustimmung gab es aber auch bereits von US-Präsident Donald Trump. Einige der Festgenommenen hätten ihr Land seit Jahren „gemolken“. Beobachtern zufolge zielen die Schritte aber auch darauf ab, die Opposition gegen Kronprinz Mohammed bin Salman auszuschalten, der sich in vielen Punkten gegen ultrakonservative Kräfte im Land gestellt hat. Der Kronprinz leitet die Antikorruptionsbehörde.

Unruhe an Finanzmärkten

Die weiteren Festnahmen verunsicherten die Anleger am Golf. An der Börse in Riad fielen die Kurse zeitweise um 1,1 Prozent. Zum Handelsschluss lag der Leitindex zwar 0,4 Prozent höher, doch machten Fondsmanager Interventionen von staatlicher Seite für die Erholung verantwortlich. Die Regierung wolle verhindern, dass unter den Investoren Panik ausbreche, so die Marktteilnehmer.

Davon profitierten offenbar die Aktien der Kingdom Holding des am Wochenende ebenfalls festgenommenen Prinzen al-Walid bin Talal. Die Aktien unterbrachen ihre Talfahrt und schlossen 0,7 Prozent höher. Demgegenüber gingen die Aktien von Al Tayyar Travel erneut um 3,5 Prozent in die Knie. Der Gründer Nasser bin Akil al-Tajjar wurde ebenfalls festgenommen.

Riad versucht, Investoren zu beruhigen

Die saudi-arabische Führung hatte am Dienstagabend versucht, die Wirtschaft zu beruhigen. So sollen Firmen, die ganz oder teilweise einem der Beschuldigten gehören, nicht beeinträchtigt werden. Allerdings wurden inzwischen über 1.700 Bankkonten eingefroren. Das beunruhige die ganze Region, da möglicherweise Rechnungen nicht mehr pünktlich gezahlt werden könnten, sagten Börsianer. So fielen die Kurse an der Börse in Dubai erneut um 1,9 Prozent, die Börse in Abu Dhabi verlor 1,1 Prozent und die in Katar 0,9 Prozent.

Schlagabtausch mit dem Iran

Für Nervosität sorgte auch der verbale Schlagabtausch mit dem Iran. Kronprinz Mohammed bin Salman warf der Regierung in Teheran militärische Aggression vor und verwies auf iranische Raketenlieferungen an die Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen.

Rouhani warnt Riad

Der iranische Präsident Hassan Rouhani warnte die Führung in Riad am Mittwoch vor der „Macht“ seines Landes. „Mächtigere Leute als ihr haben nichts gegen das iranische Volk ausrichten können“, sagte Rouhani am Mittwoch. Mit Blick auf den Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri warf er Riad Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Libanon vor.

„Ihr kennt die Macht und die Stellung der Islamischen Republik“, sagte Rouhani bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung an Saudi-Arabien gewandt. Schon die USA und ihre Verbündeten hätten „alle ihre Kräfte mobilisiert“ und doch nichts erreicht, sagte er mit Blick auf den Iran-Irak-Krieg, bei dem die USA und andere westliche Staaten den irakischen Diktator Saddam Hussein unterstützt hatten.

Jahrelanges Ringen um Vormacht

Saudi-Arabien sieht seit Jahren mit Unbehagen, dass der Iran im Jemen, in Syrien, im Irak und im Libanon seinen Einfluss ausweitet. Am Wochenende hatte der libanesische Ministerpräsident Hariri überraschend seinen Rücktritt erklärt. Bei einem Auftritt in Riad warf er dem Iran und der mit ihm verbündeten Hisbollah-Bewegung vor, ihn ermorden und den Libanon dominieren zu wollen.

Rouhani beschuldigte Saudi-Arabien am Mittwoch aber, sich in die inneren Angelegenheiten des Libanon einzumischen und Hariri zum Rücktritt gezwungen zu haben. Zugleich versicherte er, der Iran wolle nur „das Wohl und die Entwicklung“ des Jemen, des Irak, Syriens und „sogar Saudi-Arabiens“. Es sei ein „strategischer Fehler“ von Riad, zu glauben, Israel und die USA seien seine Freunde, nicht aber der Iran, warnte er.

Links: