EZB erwägt Änderungen bei umstrittenen Problemkrediten

Die oberste EZB-Bankenaufseherin geht bei den Plänen für den künftigen Umgang mit faulen Krediten auf ihre Kritiker zu und bietet Zugeständnisse an. Daniele Nouy verteidigte im Europaparlament in Brüssel heute zwar die Pläne zur Verschärfung der Regeln. Nach zahlreichen Rückmeldungen könne der Entwurf jedoch nachgebessert werden, so Nouy.

Nouy stellte in Aussicht, dass die neuen Regeln auch erst nach dem 1. Jänner in Kraft treten könnten. Vor allem das EU-Parlament und Italien hatten den EZB-Vorstoß zum Abbau von Problemdarlehen kritisiert.

Nouy: „Richtige Zeit für Vorstoß“

Angesichts des derzeitigen günstigen konjunkturellen Umfelds sei nun „die richtige Zeit“, verteidigte Nouy die Pläne vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments. Sobald es grünes Licht für das Vorhaben gebe, werde es in das Mandat und die Zuständigkeit der Europäischen Zentralbank fallen.

Die rechtlichen Ratschläge werde die EZB aber berücksichtigen. Bei all den Rückmeldungen liege der Rückschluss nahe, dass der Entwurf verbessert werden könne. „Und er wird verbessert.“ Der juridische Dienst des EU-Parlaments hatte zuvor bemängelt, dass die EZB mit ihrem Plan ihre Kompetenzen überschreite.

844 Mrd. Euro an faulen Krediten in Euro-Zone

Die EZB ist seit Herbst 2014 zusätzlich für die Aufsicht der größten Banken im Währungsraum zuständig. In dieser Funktion hatte sie kürzlich Richtlinien zum künftigen Umgang mit neuen Problemdarlehen vorgestellt. Insgesamt summieren sich die faulen Kredite in der Euro-Zone auf 844 Mrd. Euro. Ein Viertel davon entfällt auf Italien.

EZB-Präsident Mario Draghi hat zu gemeinsamen Anstrengungen zum Abbau des Milliardenbergs an faulen Krediten aufgerufen. Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise schleppen die Banken in der Euro-Zone den Berg an ausfallgefährdeten Darlehen mit sich herum. Damit nimmt ihre Bereitschaft ab, neues Geld zu verleihen, was das Wachstum der Wirtschaft dämpft.