Verhaftungswelle in Saudi-Arabien: 200 Menschen betroffen

Bei der Verhaftungswelle in Saudi-Arabien sind nach offiziellen Angaben mehr als 200 Menschen festgesetzt worden. Diese seien wegen Korruptionsvorwürfen zu Befragungen einbestellt worden, teilte Generalstaatsanwalt Saud al-Mudschib heute in Riad mit.

„Das potenzielle Ausmaß der aufgedeckten Korruptionspraktiken ist sehr groß“, sagte er. Mindestens 100 Milliarden Dollar (rund 86 Mrd. Euro) seien über Jahrzehnte durch systematische Korruption und Unterschlagung veruntreut worden. Es gebe sehr starke Beweise für das Fehlverhalten der Betroffenen.

Kronprinz will Macht festigen

Saudi-Arabien hatte am Wochenende Dutzende Prinzen und andere führende Persönlichkeiten des islamisch-konservativen Königreichs festnehmen lassen. Nach Angaben des Generalsstaatsanwalts wurden von insgesamt 208 betroffenen Personen mittlerweile sieben wieder auf freien Fuß gesetzt. Namen nannte er nicht.

Beobachter sehen dahinter einen Versuch des einflussreichen Kronprinzen Mohammed bin Salman, seine Macht zu festigen. Der 32-Jährige gilt als eigentlicher Herrscher des Landes und steht auch an der Spitze eines neu geschaffenen Antikorruptionskomitees.

Saudis sollen Libanon verlassen

Nach der Rücktrittsankündigung des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri forderte Saudi-Arabien zugleich seine Bürger auf, das Land am Mittelmeer zu verlassen, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf das Außenministerium in Riad berichtete. Genauere Gründe wurden nicht genannt.

Hariri hatte am Wochenende von Saudi-Arabien aus völlig überraschend seinen Rücktritt als Regierungschef des Libanon angekündigt. Der im Libanon einflussreichen Schiitenmiliz Hisbollah sowie deren Schutzmacht Iran warf er dabei vor, in der Region Unruhe zu schüren. Saudi-Arabien sieht den Iran als Erzrivalen in der Region.

Macron reist überraschend nach Saudi-Arabien

Unterdessen änderte der französische Präsident Emmanuel Macron überraschend sein Reiseprogramm im Mittleren Osten. Er werde noch heute Abend nach Saudi-Arabien reisen und dort den Kronprinzen treffen, kündigte er während eines Besuchs in Dubai an.

Dabei wolle er über den Iran, den Jemen und den Libanon sprechen, sagte Macron bei einer Pressekonferenz. Er habe „sehr harte Positionen insbesondere über den Iran gehört, die (...) nicht konform sind mit dem, was ich denke“. Macron betonte, er werde in Riad auch darlegen, „wie entscheidend die Stabilität des Libanon in meinen Augen ist“.