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Greenpeace ortet schwere Mängel

Ein Block des umstrittenen belgischen Atomkraftwerks (AKW) Tihange unweit der deutschen Grenze ist in der Nacht auf Freitag wegen technischer Probleme automatisch abgeschaltet worden. Das bestätigte der Betreiber Engie Electrabel. An einem Ventil im nicht nuklearen Teil des AKW müsse gearbeitet werden, wird ein Sprecher zitiert. Erst kürzlich kritisierte Greenpeace die schlechten Zustände der AKWs in Belgien und Frankreich.

Sorge bereiten vor allem Tausende Mikrorisse an Meiler 2. Tihange 1 wurde wegen eines technischen Problems im Oktober vorübergehend vom Netz genommen. Diesmal ist Block 3 betroffen. Die belgische Regierung hält die gesamte Anlage für sicher. Ersten Schätzungen zufolge könnte der Reaktor in der Nacht zum Samstag wieder neu gestartet werden.

Störfall auch in französischem AKW

Erst am Donnerstag hatte es in einem französischen AKW am Ärmelkanal nach Angaben des Betreibers einen „bedeutenden Sicherheitsvorfall“ gegeben. Angaben zufolge wurden bei einer Kontrolle Korrosionsschäden an zwei Dieselnotstromaggregaten festgestellt. Die betroffenen Materialien seien ausgetauscht worden.

Die Atomanlage Paluel habe den Vorfall an zwei Reaktoren der Atomaufsichtsbehörde ASN gemeldet, erklärte der Konzern Electricite de France (EDF). Auf der achtstufigen internationalen Ereignisskala INES sei er als Stufe zwei klassifiziert worden. In Frankreich gibt es derzeit 58 Atomreaktoren. Viele gelten als veraltet und pannenanfällig.

Greenpeace: Mangelhafte Anlagen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte erst kürzlich vor einer Gefahr durch abgebrannte Brennelemente in französischen und belgischen AKWs. Die Abklingbecken in den Atomanlagen seien unzureichend geschützt. Das habe eine Untersuchung von sieben unabhängigen Sicherheitsexperten ergeben. Sie hätten die 58 französischen AKWs sowie sieben belgische Anlagen unter die Lupe genommen.

„Läuft das Kühlwasser aus den Becken aus, werden große Mengen Radioaktivität freigesetzt“, erklärte Greenpeace. Außerdem könne ein Feuer ausbrechen, durch das eine Region im Umkreis von bis zu 250 Kilometern verstrahlt werden würde. Die Sicherheitskonzepte bei AKWs konzentrierten sich überwiegend auf den Reaktor, so Greenpeace. Die Abklingbecken würden hingegen kaum betrachtet. Der französische Betreiber EDF betonte hingegen, die Kraftwerke seien sicher. Die Sicherheitsmaßnahmen würden laufend überprüft.