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Auch Nieseln bringt keine Entspannung

In der seit Tagen unter Dauersmog leidenden indischen Hauptstadt Neu-Delhi ist keine Besserung in Sicht. Das Wetteramt teilte am Sonntag mit, durch den für Mittwoch vorhergesagten Nieselregen werde der gesundheitsgefährdende Smog höchstens ein wenig nachlassen.

Seit mehreren Tagen befinden sich große Teile Nordindiens unter einer dichten Smogwolke. Nur kurzfristig war der Wert gefallen, um nun wieder anzusteigen. Die ohnehin sehr hohe Luftverschmutzung in der 17-Millionen-Metropole Delhi hatte sich dadurch auch in den vergangenen Tagen erneut deutlich verschlimmert. Dichter Smog umhüllt die Stadt, viele Menschen tragen Atemmasken. Auch andere Teile Nordindiens sowie des Nachbarlands Pakistan leiden weiter unter schlechter Luftqualität.

Umweltgericht kippte Fahrverbot wegen Ausnahmen

Dazu kommen in Delhi noch weitere Probleme, die die Situation verschlimmern: Ein Umweltgericht kippte am Samstag die von den Behörden für Montag angekündigten Fahrverbote für Privatfahrzeuge in Delhi, da es die darin enthaltenen Ausnahmen für Frauen, Prominente und Motorräder ablehnte. Diese Maßnahme war im vergangenen Jahr erstmals ergriffen worden und hatte geholfen, die Situation etwas zu entschärfen.

Tausende Autos im Smog auf den Straßen von Neu Delhi

Reuters/Cathal McNaughton

Nichts geht mehr in Delhi: Der tägliche Verkehrsstau im Smog

Jedes zweite Auto hätte mit diesem Erlass aus dem Verkehr gezogen werden sollen: An einem Tag hätten diejenigen mit geraden Nummern auf den Kennzeichen fahren dürfen, am nächsten Tag Autos mit ungeraden Nummern, wie Verkehrsminister Kailash Gahlot angekündigt hatte.

Sämtliche Bauaktivitäten gestoppt

Zuvor hatten die Behörden bereits Fahrverbote für Lkws in der Stadt erlassen und sämtliche Bauaktivitäten gestoppt. Rund 50.000 Diesellastwagen rollen jede Nacht durch Delhi, sie sind einer der Hauptverursacher der Luftverschmutzung. Um den Autoverkehr zu reduzieren, würden die Parkgebühren erhöht, hieß es auch von Delhis Regierungschef Arvind Kejriwal.

Trotz der Luftverschmutzung hatten die Schulen in der Stadt und im Umland am Montag wieder geöffnet. Eltern warfen den Behörden vor, „mit der Gesundheit der Kinder zu spielen“. Viele Kinder hätten auf dem Schulweg gehustet und nur mühsam Luft bekommen, sagte der Präsident der indischen Elternvereinigung, Ashok Agrawal. Da die Luftverschmutzung nicht nachgelassen habe, müssten die Schulen geschlossen bleiben.

Airline fliegt Delhi nicht mehr an

Die US-Fluggesellschaft United Airlines setzte wegen der schlechten Luftqualität bis Montag Flüge von Newark im US-Bundesstaat New Jersey nach Delhi aus, wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilte.

Das Flugzeug von Prinz Charles im Smog von Neu Delhi

Reuters/Cathal McNaughton

Auf dem Flugfeld sind kaum mehr als Umrisse zu erkennen

Die Feinstaubkonzentration in Indiens Hauptstadt war nach Angaben der dortigen US-Botschaft vom Sonntag etwa 27-mal höher, als sie laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) maximal sein sollte. Vergangene Woche war der Wert kurzzeitig gefallen. Neu-Delhis Luftqualität ist mit dem einsetzenden Winter oft besonders schlecht, weil kalte Luft den Smog in Bodennähe hält.

Verbrennen von Müll und Ernterückständen

Neben dem Verkehr gilt als weitere Quelle der extremen Luftverschmutzung der Hausbrand. In der kalten Jahreszeit wird etwa in den Armenvierteln so gut wie alles, etwa auch Müll, verheizt, um sich warm zu halten bzw. überhaupt kochen zu können. Ein weiterer Grund für die Verschlechterung der Luftqualität ist das eigentlich verbotene Verbrennen von Ernterückständen durch Bauern in der Region.

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