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Dörfer durch Erdrutsche abgeschnitten

Bei einem schweren Erdbeben in der Grenzregion zwischen dem Iran und dem Irak am Sonntagabend sind mehr als 340 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt sind es im Iran laut Behörden mehr als 400 Tote und über 6.700 Verletzte. Auf der anderen Seite der Grenze, im kurdischen Teil des Irak, waren zu diesem Zeitpunkt acht Tote und rund 500 Verletzte zu beklagen.

Laut dem Geoforschungszentrum im deutschen Potsdam lag das Zentrum des Bebens mit der Stärke 7,3 in etwa 34 Kilometer Tiefe in der westiranischen Provinz Kermanschah. Rettungskräfte konnten erst acht Stunden danach ihre Bergungsarbeiten richtig beginnen. Sie mussten warten, bis es in den Erdbebengebieten wieder hell wurde. Danach stiegen die Opferzahlen stündlich. Bis Montagmittag gab es zudem 135 Nachbeben in mehreren Provinzstädten.

Karte zeigt das Epizentrum des Bebens im Irak

OSM/ORF.at

Fast 200 Suchtrupps im Iran

Die Suche nach Verschütteten war in der Nacht durch Erdrutsche behindert worden, mittlerweile ist die Suche und Hilfe voll angelaufen. Es sei „schwierig, Rettungsteams in die Dörfer zu schicken, weil die Straßen abgeschnitten sind“, sagte der Chef des iranischen Katastrophenschutzes, Pir Hossein Kooliwand.

Der Iranische Rote Halbmond habe 174 Rettungs- und Suchhundeteams in die betroffene Region entsandt, die die medizinische Versorgung sicherstellen, berichtete der Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit des Österreichischen Roten Kreuzes, Walter Hajek.

Die meisten Opfer gab es laut Hajek in der Stadt Sarpole Sahab in der iranischen Provinz Kermanschah. Dort sei Berichten zufolge auch das Krankenhaus zerstört worden. Nun soll ein Feldspital aufgebaut werden. Der fehlende Strom sei eine zusätzliche Herausforderung.

Hilfsorganisationen im Dauereinsatz

17.000 Decken, 7.000 Zelte und andere dringend benötigte Hilfsgüter würden allein vom Iranischen Roten Halbmond verteilt. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond in der Türkei und das türkische Gesundheitsministerium sagten den Betroffenen ebenfalls Hilfe zu, unter anderem mit Zelten sowie mit mobilen Küchen und Heizgeräten.

Rettungskräfte suchen in Trümmern nach Überlebenden

APA/AP/Pouria Pakizeh

Mit Hunden läuft die Suche nach Überlebenden im Erdbebengebiet auf Hochtouren

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan drückte sein Bedauern über die Toten aus und wünschte den Verletzten baldige Genesung. Zuvor hatte Ministerpräsident Binali Yildirim mitgeteilt, die Türkei stehe an der Seite der Erdbebenopfer. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, ein Frachtflugzeug der Armee mit einem Hilfsteam aus Bergungsexperten und medizinischem Personal sei von der türkischen Hauptstadt Ankara aus ins irakische Sulaimanija in der Nähe des Epizentrums gestartet.

Auch das International Rescue Committee (IRC) teilte auf Twitter mit, man beobachte die Situation in dem Erdbebengebiet und halte sich für Einsätze bereit.

Ärtze aus Teheran in Katastrophenregion entsandt

Die Krankenhäuser in Kermanschah sind laut Augenzeugen überfordert. Das Gesundheitsministerium in Teheran entsandte daher mehr als 100 Ärzte in die Region, um in mobilen Kliniken in den Grenzstädten den Menschen zu helfen. Die Schwerverletzten werden nach Teheran gebracht. Präsident Hassan Rouhani wird am Dienstag die Erdbebengebiete besuchen. Am Montag versprach er den von dem Beben betroffenen Menschen jede mögliche Hilfe. Das Beben habe für alle Ministerien höchste Priorität, so der Präsident.

Zerstörung nach Erdbeben

APA/AFP/Pouria Pakizeh

Zahlreiche Gebäude wurden durch die Erdstöße beschädigt

Auf irakischer Seite sind die Schäden weniger schwer, doch auch dort liegen Hunderte Häuser in Trümmern. Die Behörden in den kurdischen Orten Sulaimanija und Halabdscha gaben Angestellten am Montag für die Aufräumarbeiten frei. In der Region wurden Hunderte Häuser zerstört. Die bergige Region um Sulaimanija im Südosten der Region Kurdistan ist bei der vornehmlich kurdischen Bevölkerung ein beliebtes Urlaubsgebiet.

Erdbeben auch in Costa Rica

Auch in Mittelamerika bebte Sonntagabend die Erde. Das Zentrum des Bebens der Stärke 6,5 lag 16 Kilometer südöstlich des Badeortes Jaco an Costa Ricas Pazifikküste, wie die Seismologische Beobachtungsstelle des Landes mitteilte. Laut den Angaben wurden in der Region mehrere Nachbeben registriert, das heftigste mit einer Stärke von 5,1.

Zwei Menschen seien an Herzinfarkten infolge eines Schocks gestorben, sagte ein Sprecher des Sicherheitsministeriums örtlichen Medien. Die Küstenregion ist vor allem bei Surfern beliebt. In der Stadt Alajuela kam es zu Stromausfällen, wie die Zeitung „La Nacion“ berichtete. Die gesamte Westküste des amerikanischen Doppelkontinents liegt am Pazifischen Feuerring, der für seine seismische Aktivität bekannt ist.

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