Ägyptische Popsängerin wegen Video festgenommen

Die ägyptischen Sicherheitskräfte gehen weiter massiv gegen vermutete moralische Verfehlungen in Kultur und Medien vor. Polizisten nahmen gestern die Popsängerin Shyma fest, die sich in Unterwäsche lasziv in einem Musikvideo gezeigt hatte.

Das Video ihres Liedes „I Have Issues“ habe zu Beschwerden geführt, begründete die Polizei ihr Vorgehen. Shyma stehe im Verdacht, zu „Ausschweifungen“ angestachelt zu haben. Unklar war noch, ob sie offiziell angeklagt wird.

In Ägypten provokante Gesten

Die vorher kaum bekannte Sängerin ist in dem Video in einem Klassenraum dabei zu sehen, wie sie an einem Apfel leckt und mit einer Banane offenbar Oralverkehr imitiert. Auf der Tafel stand „Abschlussklasse #69“ und die Buchstaben „vag“ wohl in Anspielung auf eine Position beim Sex und das weibliche Geschlechtsorgan.

Bereits am Donnerstag hatte sich Shyma zu den Vorwürfen auf Facebook geäußert. Sie entschuldigte sich bei allen, die das Video „als unangebracht empfunden haben“ und erklärte, nicht mit derartigen Reaktionen gerechnet zu haben.

Al-Sisi weist Künstler polizeilich in Schranken

Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi gehen die ägyptischen Behörden besonders hart gegen Künstler vor, die in ihren Augen gegen Moralgesetze verstoßen. Erst vor wenigen Wochen war die Fernsehmoderatorin Doaa Salah zu drei Jahren im Gefängnis verurteilt worden, weil sie in ihrer Sendung über außereheliche Schwangerschaften gesprochen hatte. Ihr wurde ein „Verstoß gegen öffentliche Sitten“ vorgeworfen. Damit sollen offenbar gesellschaftsliberale Vorstellungen im Keim erstickt werden.

Kurz zuvor hatten Polizisten mehrere Besucher eines Konzerts der bekannten libanesischen Popgruppe „Mashrou’ Leila“ in Kairo verhaftet, nachdem sie dort die Regenbogenflagge geschwenkt hatten. „Mashrou’ Leila“, derzeit eine der erfolgreichsten arabischen Popgruppen, setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein.