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Nach wochenlangen Ermittlungen

Sieben Wochen nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia auf Malta sind zehn Verdächtige festgenommen worden. Die zwei Brüder Alfred und George Degiorgio sind dabei die Hauptverdächtigen. Sie seien polizeibekannt, berichtete „The Times of Malta“ (Onlineausgabe). Einem der beiden sei unter anderem illegaler Waffen- und Drogenbesitz vorgeworfen worden. Sein Bruder sei in einen Überfall verwickelt gewesen.

Erst seien acht Malteser Montagfrüh in einem gemeinsamen Einsatz an verschiedenen Orten gefasst worden, sagte Maltas Premierminister Joseph Muscat. Sie würden verdächtigt, den Anschlag mit einer Autobombe durchgeführt zu haben. Ob sie auch die Auftraggeber waren, ist unklar. Später twitterte Muscat, dass zwei weitere Verdächtige festgenommen worden seien. Galizia war am 16. Oktober in der Nähe ihres Hauses auf der Mittelmeer-Insel getötet worden. Sie starb, als eine unter ihrem Auto montierte Bombe explodierte.

Schock für Inselstaat

Der Anschlag hatte das kleine EU-Land schockiert und auch international Wellen geschlagen. Schnell wurden Vermutungen laut, dass hinter dem Mord eine jener Personen oder Gruppen stehe, gegen die die Journalisten seit Jahren angeschrieben hatte. Auf Malta kam es zu Protesten gegen Korruption und gegen eine Unterwanderung des politischen Systems durch Kriminelle.

Die Verdächtigen müssen nun innerhalb der nächsten 48 Stunden befragt werden. Sie seien bereits eine Zeit lang beobachtet worden, fügte Muscat hinzu. An den Ermittlungen seien das FBI, Europol und finnische Sicherheitsbehörden beteiligt gewesen.

Menschen trauern um die ermordete Journalistin

APA/AFP/Matthew Mirabelli

In Maltas Hauptstadt Valetta gedachten im Oktober Hunderte Menschen der ermordeten Journalistin

Über Schmuggler berichtet

In ihrem Blog Running Commentary und in Medienartikeln behandelte Caruana Galizia Korruption, Bestechung und andere Formen der Kriminalität. Eines ihrer Themen: der Treibstoffschmuggel zwischen Libyen und Malta, in den auch die italienische Mafia verwickelt sein soll. Laut dem sizilianischen Generalstaatsanwalt Carmelo Zuccaro finden sich in den Texten der Journalisten auch Namen von einigen der Personen, gegen die der Staatsanwalt und seine Kollegen ermitteln.

Die Untersuchungen zu dem mafiösen Netzwerk laufen laut „Guardian“ bereits seit Monaten. Im August wurde mit Fahmi bin Chalifa einer der mutmaßlichen Anführer der Gruppe verhaftet. Wenige Tage nach dem tödlichen Anschlag auf Caruna Galizia nahmen die italienischen Behörden eine ganze Serie von Verhaftungen vor.

Ausgebranntes Autowrack nach Anschlag

AP/Rene Rossignaud

Eine Bombe unter Caruana Galizias Auto tötete die Journalistin

„Viele ‚Geschäfte‘ mit Libyen“

Unter den Festgenommenen befand sich auch Darren Debono. In der Anklageschrift der italienischen Behörden gegen Debono findet der Mord an Caruana Galizia keine Erwähnung. Tatsächlich kommt der ehemalige maltesische Fußballer aber in Texten der Journalistin vor. Er sei ein Restaurantbetreiber und Fischer, der „viele ‚Geschäfte‘ mit Libyen betreibt“, hieß es etwa in einem Eintrag vom Februar 2016 in ihrem Blog.

Ermordete Journalistin Daphne Caruana

AP/Jon Borg

Caruana Galizia schrieb in ihren Texten gegen Korruption an

Die Dokumente der sizilianischen Staatsanwaltschaft behandeln auch den Ärger Debonos über einen UNO-Expertenbericht von 2016. Darin wird erklärt, wie der Treibstoffschmuggel zwischen Libyen und Malta funktioniert. In abgehörten Gesprächen richtete sich Debonos Zorn überdies gegen einen Artikel des „Wall Street Journal“, der seiner Meinung nach die UNO-Experten beeinflusst habe. Den Artikel teilte Caruana Galizia auch in ihrem Blog - mit Verweis auf Debono.

Maltesische Behörden kooperierten nicht

In den vergangenen Monaten und Jahren hätten die internationalen Behörden gerne die Hilfe von Malta in Anspruch genommen. Laut Zuccaro ersuchten er und seine Kollegen die Behörden in Malta im Zuge ihrer Schmugglerermittlungen um Informationen. 18 Monate lang hätten sie vergeblich auf Antwort gehofft, so Zuccaro. Die Insel „wird zu einer Art Verbrechensparadies für alle Arten von Gangstern“, sagte der sizilianische Staatsanwalt.

„Es herrscht Angst im Land“

Seit der Ermordung der Journalistin ist der Druck auf Maltas Regierung im eigenen Land und international, den Mord und die Korruptionsaffären aufzuklären, drastisch gestiegen. Michael Briguglio, einer der Organisatoren der Proteste, sagte, Malta gerate in eine ernsthafte Krise. „Es herrscht Angst im Land. Tyrannen haben das Land übernommen, Tyrannen, die glauben, sie können machen, was sie wollen.“ Der Staat habe versagt, die Bloggerin zu schützen. „Der Staat beschützt uns nicht.“

Menschen protestieren gegen Polizeichef in Valetta

APA/AFP/Rene Rossignaud

Demonstranten forderten nach dem Mord unter anderem den Rücktritt des maltesischen Polizeichefs

Muscat unter Druck

Muscat war oftmals Ziel der kritischen Berichterstattung von Cuarana Galizia. Die Journalistin hatte mit ihren Berichten über die Panama-Papers erreicht, dass Muscat Neuwahlen ansetzte. So steht unter anderen Musacts Frau im Verdacht, Bestechungsgelder auf geheimen Konten in Panama versteckt zu haben. Wirklich geschadet hat die politische Affäre Muscat bisher aber nicht. Er ging aus der Wahl im Juni erneut als Sieger hervor. Die Ermordung von Caruana Galizia brachte ihn auf makabre Weise erneut unter Druck.

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