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„Dort will ich eine Schau zeigen“

Modezar Karl Lagerfeld lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Frankreich. Für ihre „Metiers d’Art“-Schau haben er und das Pariser Modelabel Chanel Hamburg ausgewählt. Lagerfeld wurde in Hamburg geboren.

Die Modeschau fand im Großen Saal der Elbphilharmonie statt - eine Premiere für das 2016 fertiggestellte Konzerthaus an der Alster-Mündung. Ausgesucht habe die Location der Designer selbst, hieß es im Vorfeld. Die Idee sei im Juni 2013 entstanden, berichtete die „Welt“. Lagerfeld habe damals für die „Vogue“ eine Modestrecke für Chanel in Hamburg fotografiert und Chefredakteurin Christiane Arp zu einer Hafenrundfahrt auf dem Museumsdampfer „Schaarhörn“ geladen. Den 50 geladenen Gästen habe die Stadt gefallen, Lagerfeld ihnen Stationen seines Lebens gezeigt, vom Elternhaus bis zur luxuriösen Villa Jako im Stadtteil Blankenese, die er in den 1990er Jahren besessen hatte.

Fasziniert von der Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie habe es Lagerfeld angetan, schrieb die deutsche „Welt“ im Vorfeld der Schau. Beim Bau gab es Schwierigkeiten. Doch Lagerfeld sei überzeugt gewesen: „Die Philharmonie wird kommen - und alle Zweifel sind dann vergessen. Das ist etwas Großes.“ Während der Schiffsfahrt soll er beschlossen haben: „Dort will ich eine Schau zeigen.“

Vater war Fabrikant für Dosenmilch

Der Modeschöpfer wurde 1933 in Blankenese geboren - wobei er selbst als Geburtsjahr auch 1935 und 1938 angab. Er wuchs in einem wohlhabenden Haus auf, seine Eltern Otto und Elisabeth waren Eigentümer einer Fabrik für Dosenmilch. Vor und während des Zweiten Weltkriegs lebten die Lagerfelds auf einem Gut auf dem Land. Anfang der 1950er Jahre ging er mit seiner Mutter nach Paris.

Die „Welt“ erinnerte auch an Lagerfelds Zitat „Heimat ist da, wo ich bin, ich bringe mich überall selbst mit hin“. Dieser Ausspruch soll eigentlich von seiner Mutter stammen, sie soll auch gesagt haben: „Hamburg ist das Tor zur Welt. Aber du musst auch durchgehen.“ Lagerfeld lebt in Paris, hat aber auch Wohnsitze in Rom, Monte Carlo und New York.

„Ich hasse das Wort Heimat“

Über seine Kindheit sagte er laut „Welt“, er sei "in Hamburg und auf dem Land bei Bad Bramstedt wahnsinnig glücklich“ gewesen. Über den Einzug der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag zeigte sich Lagerfeld besorgt. „Da habe ich beinahe einen Schlag gekriegt, so aufgebracht war ich. Ich war wütend, bin es immer noch“, sagte Lagerfeld in einem Interview mit dem „Zeit-Magazin“ und der „Vogue“.

Er kritisierte aber auch die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, fühlte sich dabei aber missverstanden. Lagerfeld ist Ehrenbürger der Stadt Paris, fühlt sich aber seiner altem Heimat doch noch irgendwie verbunden. „Ich hasse das Wort Heimat, aber wenn ich an Norddeutschland denke, habe ich ein positives, optimistisches Gefühl.“

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