Erdogan stellt Griechenland-Vertrag infrage

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in Griechenland Teile des Vertrages von Lausanne infrage gestellt, in dem 1923 wesentliche Aspekte der Beziehungen beider Staaten festgelegt wurden. Einige Details des Vertrages seien unklar, sagte Erdogan heute in Athen in Anwesenheit seines griechischen Kollegen Prokopis Pavlopoulos.

Pavlopoulos: „Vertrag nicht verhandelbar“

Es ist der erste Besuch eines türkischen Präsidenten in Griechenland seit 65 Jahren. Pavlopoulos lehnte eine Revision des Vertrages ab. Das Abkommen definiere das Territorium und die Souveränität Griechenlands und der Europäischen Union, sagte er. „Dieser Vertrag ist für uns nicht verhandelbar.“

Erdogan forderte eine dauerhafte Lösung von Problemen in der Ägäis und in Zypern. Für die Türkei habe zudem der Schutz der ethnischen Türken in Griechenland einen hohen Stellenwert. Nach seiner Darstellung können die Muslime im griechischen Grenzgebiet ihren geistlichen Führer nicht selbst wählen, während die christliche Gemeinschaft in der Türkei größere Freiheiten hat, ihre Patriarchen zu bestimmen. Er nannte das als einen Beweis dafür, dass der Vertrag von Lausanne nicht gerecht angewandt werde.

Vertrag regelt Grenzverläufe und religiöse Minderheiten

Der Vertrag regelte nach dem griechisch-türkischen Krieg von 1919 bis 1922 unter anderem Grenzverläufe zwischen beiden Staaten und die Umsiedelung muslimischer und christlicher Minderheiten. Außerdem wurde der Schutz der verbliebenen Christen in der Türkei und der Muslime in Griechenland vereinbart.

Erdogan hatte schon früher eine Revision des Vertrages gefordert, vor allem mit Blick auf die griechischen Ägäis-Inseln, die dicht vor der türkischen Küste liegen.