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YouTube sorgt für Familieneinkommen

Der sechsjährige Ryan freut sich wie jedes Kind über Spielzeug. Der Unterschied: Das Internet schaut dem Buben beim Auspacken und Spielen auf dem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ zu. Ryans Familie habe laut dem Magazin „Forbes“ damit innerhalb eines Jahres rund elf Millionen US-Dollar brutto (rund neun Mio. Euro) verdient. Kinder, Eltern und Spielzeugproduzenten auf der ganzen Welt zeigen sich von den Videos begeistert.

Wie die „Washington Post“ („WP“) berichtete, ist der kleine Ryan einer der erfolgreichsten YouTuber, der Kanal „Ryan ToysReview“ einer der am meisten abonnierten. „Forbes“ listet ihn als achtreichsten YouTube-Entrepreneur des Jahres 2017. Auf Platz eins liegt der Minecraft-Spieler Daniel Middleton mit seinem Kanal „DanTDM“. Er filmt sich selbst beim Computerspielen und gibt den Zuschauern Tipps.

Screenshot www.youtube.com

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Der YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ erzielte im Jahr 2017 rund 11 Millionen US-Dollar

Bei Ryan geht es aber nicht um Computerspiele, sondern um Lego, Matchboxautos oder Spider-Man-Figuren, die auf ihren Spaßfaktor getestet werden. Was mittlerweile ein virales Phänomen ist, begann mit einem simplen 15-minütigen Video über eine Lego-Duplo-Eisenbahn. Vom Einkaufserlebnis des damals Dreijährigen, bis hin zum Auspacken, Zusammenbauen und Spielen - Ryans Mutter filmt das alles mit, stellt ihm Fragen und der Bub erzählt, wie ihm das Spielzeug gefällt.

Die Mutter berichtete dem Onlinemagazin „TubeFilter“, dass Ryan häufig die YouTube-Videos anderer Kinder anschaue. Das sei auch der Auslöser für eigene Videos gewesen. „Eines Tages hat er mich gefragt: ‚Wieso bin ich nicht auf YouTube und all die anderen Kinder schon?‘ Also haben wir uns dazu entschlossen, dass wir das auch machen könnten.“

Zehn Millionen Abonnenten

Bald spielte der Bub nicht mehr nur mit einem Spielzeug, sondern mit vielen verschiedenen auf einmal. Etwa vier Monate, nachdem auf „Ryan ToysReview“ das erste Video hochgeladen hatte, schossen die Zugriffszahlen des Kanals nur so nach oben. Ein Video, in dem Ryan mit 100 Spielzeugen gleichzeitig spielt, sei besonders für den Erfolg verantwortlich gewesen, so die „WP“.

Laut dem Artikel verdoppelten sich jeden Monat die Zugriffe. Im Jänner 2016 habe der Kanal erstmals eine Million Abonnenten erzielt, ein Jahr später bereits fünf Millionen. Heute schauen mehr als zehn Millionen Nutzer regelmäßig Ryans Videos. Im Juni stufte „TuberFilter“ „Ryan ToysReview“ als beliebtesten YouTube-Kanal in den USA ein - für insgesamt 40 Wochen hintereinander.

Familienleben zur Unterhaltung der Massen

Die Popularität der Videos scheint wenig überraschend: Ryan erfüllt das Kindchenschema perfekt und drückt sich für einen Sechsjährigen sehr eloquent aus. Zusätzlich lebt er wohl den Traumjob eines jeden Kindes: Ins Spielzeuggeschäft gehen, Packerl auspacken und den ganzen Tag spielen. Behalten dürfe Ryan das meiste Spielzeug aber nicht - unter der „Kanalinfo“ von „Ryan ToysReview“ findet sich die Beschreibung: „Das meiste Spielzeug, das wir benutzen und bewerten, wird lokalen Wohltätigkeitsorganisationen gespendet.“

Ryans Videos kommen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen gut an. Dabei geht es nie um ein Überanalysieren des Spielzeugs, sondern um Spaß - zumindest an der Oberfläche. Im Hintergrund schneiden die Spielzeugerzeuger mit - aufgebaut auf ein idealisiertes, konsumorientiertes Familienleben.

Immer mehr ins Licht rückt nämlich auch der Alltag der US-amerikanischen Familie, über die wenige Details bekannt sind. Ryans Eltern wollen die Privatsphäre des kleinen Buben schützen, so die „WP“, indem sie ihren Nachnamen nicht verraten - ebenso wenig wie den Wohnort der Familie. Nachdem der Erfolg des Kanals immer größer wurde, habe Ryans Mutter ihre Arbeit als Chemielehrerin aufgegeben. Sie konzentriere sich nun voll auf das Millioneneinkommen, das ihr Sohn für die Familie generiert, schreibt die „WP“.

Doch das harmonische Leben einer Familie über den Bildschirm zu beobachten, ist nichts Neues: Seit es das Fernsehen gibt, ist es eine beliebte Form der TV-Unterhaltung - etwa in Familienserien wie „Die Waltons“ oder „Full House“. Und diese werden heute abgelöst von YouTube-Familien, die ihren mehr oder weniger realen Alltag filmen.

Geschäft der YouTube-Familie boomt

Ryans Familie ist eine davon, aber es gibt unzählige mehr. Einer der bekanntesten ist der YouTube-Kanal der „Shaytards“. Durch das Milliardengeschäft, das die Familie der „Shaytards“ über YouTube erzielt hatte, gründete Shay Carl, der Familienvater, die Filmproduktionsfirma „Maker Studios“. Diese wurde 2014 für 500 Millionen US-Dollar an Walt Disney verkauft, wie die „New York Times“ berichtet hatte.

Wie genau YouTube-Entrepreneurs ihr Geld verdienen, ist allerdings nach wie vor relativ undurchsichtig. Fakt ist, dass jede Nutzerin und jeder Nutzer mit ihren bzw. seinen Videos Geld verdienen kann. In erster Linie funktioniert das durch Werbevideos vor und zwischen der Videos. Hier kommt es darauf an, welche Firma welchen Clip sponsert - wie viel die Werbefläche also wert ist. Das kommt auf die Anzahl der Abonnenten an und vor allem auf die Klicks pro Video. Welche Werbung geschaltet wird, können dann wiederum die Nutzer und Nutzerinnen teilweise selbst mitbestimmen.

Vertrag verpflichtet zu Verschwiegenheit

Wie viel Geld ein Klick tatsächlich Wert ist und wie viel YouTuber verdienen, ist ein gut behütetes Geheimnis, das YouTube bzw. dessen Mutterkonzern Google rechtlich absichert. Denn geht man einen Vertrag mit dem YouTube-Partnerprogramm ein, so verpflichtet man sich zur Verschwiegenheit. Expertenschätzungen zufolge lassen sich etwa ein bis zwei Euro Vergütung pro 1.000 Videoaufrufe erzielen. Um 1.000 Euro im Monat zu verdienen, braucht man also zwischen 500.000 und einer Millionen Videoaufrufe im Monat.

Wesentlich lukrativer scheint hingegen der Weg über das Produktmarketing - sowohl für Firmen als auch für YouTuber. So finden sich auch auf „Ryan ToysReview“ mittlerweile zahlreiche Links zu Lego, Play-Doh und Co. Neben Verlinkungen sponsern die Spielzeugfirmen auch teilweise das Spielzeug selbst, mit dem Kinder wie Ryan indirekt und authentisch Werbung betreiben.

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