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Kritische Wetterprognose

In Kalifornien ist am 4. Dezember einer der größten Brände in der Geschichte des Bundesstaates ausgebrochen. Das Thomas-Feuer verwüstete bisher an die 100.000 Hektar Fläche und zerstörte Hunderte Häuser, eindämmen lässt es sich kaum. Winde an der Küste machen es unberechenbar.

Mitte der Woche war das Feuer nach Schätzungen der kalifornischen Behörden zu 20 bis 30 Prozent unter Kontrolle. Löschmannschaften kämpften nun gegen die Uhr, berichtete am Donnerstag (Ortszeit) die „Los Angeles Times“. Der Grund ist vor allem die Wetterprognose für das Wochenende.

Feuer über Auto

APA/AP/Santa Barbara County Fire Department/Mike Eliason

Mit dem Wind breiten sich Brandherde explosionsartig aus

Laut „Los Angeles Times“ waren die Feuerwehren - mit rund 6.500 Einsatzkräften - zuletzt vor allem damit beschäftigt, in der Region Santa Barbara Schneisen zu schlagen und mit Planierraupen Gräben auszuheben, um die Brände einzudämmen. Teilweise sei das bis Mitte der Woche auch gelungen. Nun prognostizierte der US-Wetterdienst National Weather Service (NWS) aber erneut starken Wind für Freitag und Samstag (Ortszeit).

„Sundowner winds“: Heiß, trocken, unberechenbar

In der Region von Santa Barbara wehen an der Küste starke Winde, genannt „Sundowner winds“ bzw. Santa-Ana-Winde. Beide bringen heiße und trockene Luft und können rasch zur Ausbreitung von Bränden beitragen. Am Samstag werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 km/h erwartet. Wenn der Wind das Feuer anfache, seien Löscharbeiten praktisch sinnlos, sagte Mark Brown, Abteilungsleiter beim California Department of Forestry and Fire Protection (CAL Fire).

Feuerroter Himmel über Haus

APA/AFP/Robyn Beck

Der Himmel nahe Montecito - von den Flammen feuerrot erleuchtet

Wenn sich die Brände weiter in Richtung Santa Barbara und Montecito ausbreiteten, seien knapp eine viertel Million Menschen und Infrastruktur im Wert von 46 Mrd. Dollar (rund 39 Mrd. Euro) in Gefahr. Die „Sundowner“-Winde seien „notorisch unberechenbar“, hieß es in der „Los Angeles Times“. Sie schüfen „sehr unkalkulierbare Windbedingungen, die sich sehr schwer voraussagen lassen und in denen Brände sehr schwer zu bekämpfen sind“, zitierte die US-Zeitung Brendan Ripley von der Feuerwehr im Bezirk Ventura an der Pazifikküste nahe Los Angeles.

„Dieses Feuer ist eine Bestie“

„Sie treiben das Feuer in unterschiedliche Richtungen. Sie ändern sich im Laufe des Tages“, so Ripley. Der Feuerwehrchef von Santa Barbara County, Martin Johnson, übte sich in Zweckoptimismus. „Dieses Feuer ist eine Bestie“, aber am Ende würden die Löscharbeiten erfolgreich sein. „Ich habe keine Zweifel.“

Als Notmaßnahme wird Buschwerk abgebrannt, um dem Feuer keine Nahrung mehr zu lassen. Wenn die Löschmannschaften das machten, dann geschehe es „gut koordiniert“, sagte Ripley - besser „auf unsere Art und Weise als auf die Art von Mutter Natur“. Das geschehe aber nur, wenn die Windbedingungen es erlaubten. In Santa Barbara County sind laut US-Medienberichten rund 6.000 Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz, Hubschrauber und Flugzeuge werfen Wasser und Löschmittel ab.

Ausgebranntes Auto

APA/AFP/Frederic J. Brown

Von Gebäuden und Fahrzeugen blieben nur Reste

Das Thomas-Feuer war in der Nähe der Stadt Ventura ausgebrochen und hatte sich, angefacht durch starken Wind, rasch in der Region ausgebreitet. Das Feuer gilt laut US-Medien als das schlimmste in der Waldbrandsaison 2017 und als das fünftgrößte in der jüngeren Geschichte Kaliforniens. Seinen Namen hat das Feuer vom Thomas Aquinas College in Santa Paula. Es war in der Nähe der Hochschule ausgebrochen.

Zweites Todesopfer

Am Donnerstag wurde über ein zweites Todesopfer berichtet. Ein Feuerwehrmann ist beim Einsatz gegen einen großen Flächenbrand ums Leben gekommen, teilte der Leiter der Feuerwehr, Ken Pimlott, mit. Vorige Woche war bereits eine 70-jährige Frau auf der Flucht vor den Flammen bei einem Unfall mit ihrem Auto ums Leben gekommen.

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