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Gleichstellung in allen Bereichen gefordert

Mehr als 300 Schauspielerinnen, Autorinnen, Regisseurinnen und andere Frauen aus der US-Unterhaltungsindustrie haben eine Initiative gegen sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz gestartet. In einem am Montag in der „New York Times“ und der spanischsprachigen „La Opinion“ veröffentlichten Brief forderten sie ein Ende der Straflosigkeit für Täter und Arbeitgeber in Fällen sexueller Belästigung und Gewalt.

Die Initiative Time’s Up (Die Zeit ist reif), die nicht nur auf Hollywood, sondern auch auf schlechter bezahlte Branchen zielt, umfasst die Schaffung eines Rechtshilfefonds für weibliche wie männliche Opfer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Von geplanten 15 Millionen Dollar (12,5 Millionen Euro) für den Fonds wurden bereits 13,4 Millionen Dollar gesammelt.

Zu den Spenderinnen und Spendern gehören laut einem Bericht der „New York Times“ („NYT“) Prominente wie Oscar-Preisträgerin Meryl Streep, Popstar Taylor Swift, Regisseur J.J. Abrams, Produzent Steven Spielberg und mehrere große US-Künstleragenturen.

Geschlechtergerechtigkeit gefordert

Die Unterzeichnerinnen fordern zudem mehr Frauen in Führungspositionen und gleiche Entlohnung von Männern und Frauen. Die Initiatorinnen rufen weibliche Teilnehmerinnen an der Verleihung der Golden-Globes-Filmpreise am Sonntag auf, bei der Gala Schwarz zu tragen - als Statement für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Rassismus. Sie versprachen, künftig auch weniger privilegierten Frauen wie Arbeiterinnen, Kellnerinnen und Zimmermädchen Schutz vor und Rechtshilfe nach sexuellen Angriffen zu bieten.

Shonda Rhimes

APA/AFP/Getty Images/Jesse Grant

„Grey’s Anatomy“-Schöpferin Shonda Rhimes

Zu Time’s Up gehören unter anderem Schauspielerinnen wie Ashley Judd, Eva Longoria, America Ferrera, Natalie Portman, Rashida Jones, Jennifer Lawrence, Emma Stone, Kerry Washington und Reese Witherspoon, die Produzentin Shonda Rhimes („Grey’s Anatomy“), die Universal-Pictures-Vorstandsvorsitzende Donna Langley, die feministische Autorin Gloria Steinem sowie die Anwältinnen Nina L. Shaw und Tina Tchen. Letztere fungierte als Kabinettschefin für die frühere amerikanische First Lady Michelle Obama.

In Gruppen aktiv

Die Initiative ist eine Folge des Skandals um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, der mehr als 100 Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben soll. Seit Bekanntwerden des Falls im Oktober wurden Missbrauchsvorwürfe gegen Dutzende weitere Mitarbeiter der US-Filmindustrie sowie gegen Politiker, Medienvertreter und Wirtschaftsbosse erhoben. Die Tätigkeitsfelder der Initiative, die keine Vorsitzende hat und in Arbeitsgruppen organisiert ist, beschränken sich aber nicht nur auf den Kampf gegen sexuelle Gewalt.

Die Arbeitsgruppe „50/50by2020“ etwa hat das Ziel, die Zahl der weiblichen Führungskräfte in der Filmindustrie in den kommenden zwei Jahren an jene der männlichen anzugleichen. Die Gruppe konnte bereits einen ersten Erfolg verbuchen. Anfang Dezember habe sich die Künstleragentur ICM Partners auf Drängen von Produzentin Rhimes zur Umsetzung der von „50/50by2020“ formulierten Vorgabe bekannt, berichtete die „NYT“.

Eine weitere Gruppe setzt sich für die Rechte von Minderheiten, Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender in Hollywood ein. Dem Einsatz gegen Stillschweigeabkommen, mit denen Opfer sexueller Übergriffe in Hollywood in der Vergangenheit zum Schweigen gebracht wurden, hat sich wiederum eine andere Arbeitsgruppe verschrieben.

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