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„Zu jeder Zeit an jedem Ort“

Südkorea hat Nordkorea für kommende Woche Gespräche auf hoher Ebene angeboten. Als Termin sei der Führung in Pjöngjang der 9. Jänner vorgeschlagen worden, sagte der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon am Dienstag als Reaktion auf eine Ankündigung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. Am Freitag habe Nordkorea die Einladung dann angenommen.

Bei den Gesprächen im Grenzort Panmunjeom könne über eine mögliche Beteiligung Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen im Februar im südkoreanischen Pyeongchang gesprochen werden, aber auch über andere Themen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen, so Cho. Seoul wiederhole damit seine Bereitschaft zu Gesprächen mit dem Norden „zu jeder Zeit und an jedem Ort in jeglicher Form“. Laut einer Sprecherin wird ein Treffen auf der Ebene von Ministern oder Vizeministern angestrebt.

In seiner Neujahrsansprache hatte Kim zwar erneut mit einem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Zugleich deutete er an, dass Nordkorea eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea entsenden könnte. Beide Länder könnten sich sofort treffen, schlug er vor. Das wurde als Geste der Dialogbereitschaft interpretiert. Zudem rief Kim die Regierung in Seoul auf, ausländische Staaten nicht mehr um Hilfe bei der Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen zu bitten.

Letzte Gespräche 2015

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten zuletzt weiter zugenommen. Nordkorea treibt seine atomare Aufrüstung voran und richtet immer wieder Drohungen gegen Südkorea und die USA. Im September testete das international isolierte Land eine Wasserstoffbombe. Ende November brüstete sich Nordkorea mit dem Test einer Interkontinentalrakete und erklärte, das gesamte US-Festland liege nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen.

Südkoreanischer Präsident Moon Jae-In

APA/AP/Nicolas Asfouri

Südkoreas Moon Jae In zeigt sich bereit für Gespräche, warnt aber weiter vor Nordkoreas Atomprogramm

Zuletzt hielten Süd- und Nordkorea 2015 Gespräche auf ranghoher Ebene ab. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In spricht sich seit Langem für einen Abbau der Spannungen aus. Moon hatte im vergangenen Jahr Gespräche angeboten, worauf Pjöngjang jedoch nicht reagierte. Am Dienstag begrüßte er die Andeutung Kims, zu Gesprächen bereit zu sein. Moon machte echte Verbesserungen aber vom Nuklearprogramm Nordkoreas abhängig.

Südkorea wegen Atomprogramm skeptisch

„Eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea kann nicht von der Lösung der Frage des nordkoreanischen Atomprogramms getrennt werden“, sagte Moon am Dienstag vor einer Kabinettssitzung. Daher müsse sich das südkoreanische Außenministerium „eng mit den Verbündeten und der internationalen Gemeinschaft“ abstimmen. Die Ministerien für Wiedervereinigung und Sport sollen ihrerseits schnell Maßnahmen ergreifen, um eine Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen zu ermöglichen.

China begrüßte die Gesprächsabsichten der beiden Länder. Der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang, sprach am Dienstag vor der Presse in Peking von „positiven Botschaften“, die Moon und Kim gegeben hätten. „Das ist eine gute Sache.“ China unterstütze, dass beide Seiten die Gelegenheit für wirksame Bemühungen ergriffen, um ihre Beziehungen zu verbessern, die Lage auf der koreanischen Halbinsel zu entspannen und diese atomwaffenfrei zu machen.

Kim droht weiter mit Atomwaffen

Kim hatte bei seiner Neujahrsrede erklärt, Nordkorea werde Atomwaffen dann einsetzen, wenn die Sicherheit des Landes bedroht sei. Das Land sei dazu allzeit bereit, „auf meinem Schreibtisch steht immer ein Atomknopf“ so Kim. Die gesamten USA würden in Reichweite der nordkoreanischen Atomwaffen liegen, wiederholte Kim frühere Aussagen. „Das ist keine Drohung, sondern die Realität.“ Nordkorea habe 2017 sein Ziel erreicht, den Aufbau einer Atomstreitmacht abzuschließen, so Kim.

„Was die Nord-Süd-Beziehungen angeht, sollten wir die militärischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abbauen, um ein friedliches Umfeld zu schaffen“, sagte er dann in Richtung Südkorea. „Der Norden und der Süden sollten sich beide bemühen.“ Er werde die Entsendung einer nordkoreanischen Delegation zu den Olympischen Winterspielen im Februar in Südkorea in Erwägung ziehen, sagte Kim weiter. Das wäre ein guter Zeitpunkt, um „die Einheit des Volkes“ zu demonstrieren. Vertreter beider Staaten sollten sich dringend treffen, um diese Möglichkeit zu besprechen.

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