Proteste im Iran lassen nicht nach

Die Antiregierungsproteste im Iran sind trotz Hinrichtungsdrohungen wieder aufgeflammt. Nach Einbruch der Dunkelheit zogen in der Stadt Malajer gestern Hunderte Demonstranten auf die Straßen. In Sprechchören warfen sie dem politischen und geistlichen Führer Ajatollah Ali Chamenei vor, sich „wie Gott aufzuführen“. Videos in Sozialen Netzwerken zeigten zudem Demonstranten in dem nördlichen Ort Nowschahr, die „Tod dem Diktator“ skandierten.

Zuvor hatte die iranische Führung landesweite Gegenproteste ihrer Anhänger organisiert. Zugleich wurden Revolutionsgarden, die Eliteeinheiten der Islamischen Republik, in drei Provinzen entsandt, um einen Ausbruch von Unruhen durch Regierungskritiker zu unterbinden.

Mindestens 21 Menschen getötet

Bei den Protesten gegen die Regierung kamen bisher mindestens 21 Menschen ums Leben. Die Nachrichtenagentur Mehr (MNA) meldete weiters, dass drei Mitglieder der iranischen Geheimdiensteinheiten „bei einem Kampf mit antirevolutionären Elementen“ im Westen des Landes getötet worden seien. Sie berief sich auf eine Mitteilung der Revolutionsgarden. Daraus ging nicht hervor, ob die Auseinandersetzung im Zusammenhang mit den Antiregierungsprotesten stand.

Die Proteste gegen die Regierung in Teheran sind die schwersten seit 2009. Entzündet hatten sie sich am Unmut über die schlechte Wirtschaftslage. Die Regierungskritiker sind unzufrieden und verlieren die Geduld mit Präsident Hassan Rouhani, der bei seiner Wiederwahl im Mai Reformen und Jobs in Aussicht gestellt hatte.

Rouhani hofft auf baldiges Ende

Rouhani äußerte die Hoffnung, dass diese Proteste binnen weniger Tage enden. Das habe er seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat erklärt, hieß es im türkischen Präsidialamt. „Wir sind uns der Sicherheit und Stabilität des Iran gewiss“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur IRNA den Präsidenten. „Die Menschen im Iran haben das Recht auf Proteste innerhalb des Rahmens der Gesetze.“