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Fast alle in Schwarz

„Three Billboards“ und „Lady Bird“ haben die Hauptpreise bei den Golden Globes in Hollywood gewonnen. Im Mittelpunkt stand aber die Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch und der „#MeToo“-Bewegung, insbesondere die Rede von TV-Langzeitstar Oprah Winfrey.

Bei der Ankündigung der Vorsitzenden der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), Meher Tatna, sagte Moderator Seth Meyers: „Hier ist jemand, der Präsident ist und wirklich ein ausgeglichenes Genie.“ US-Präsident Donald Trump hatte genau das für sich in einem Tweet in Anspruch genommen. Nahezu alle Anwesenden bei der Verleihung trugen schwarze Kleider und Anzüge, um auf fehlende Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten hinzuweisen.

Die meisten Gäste der Gala verzichteten auf bunte Roben und trugen stattdessen Schwarz, als Protest gegen sexuellen Missbrauch und die Benachteiligung von Frauen in Zeiten der „#MeToo“-Bewegung, wie auf dem rotem Teppich bei ihrem Eintreffen vor dem Beverly Hilton Hotel in Los Angeles deutlich wurde.

Stars und Aktivistinnen Hand in Hand

Emma Watson und Laura Dern zählten zu einer Reihe weiblicher Stars, die von acht Aktivistinnen zu der Gala begleitet wurden. Tarana Burke, die die „#MeToo“-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe gestartet hatte, hatte zuvor die Teilnahme der Aktivistinnen angekündigt. Als Zeichen der Solidarität für mehr Geschlechtergleichheit trugen viele Stars einen Anstecker der Initiative „Time’s Up“ (Die Zeit ist vorbei). Der Bewegung, die auch einen Rechtsfonds finanziert, gehören Filmstars wie Meryl Streep, Emma Stone, Cate Blanchett und Gwyneth Paltrow an.

Oprah Winfrey

APA/AP/NBC/Paul Drinkwater

Winfrey beschwor eine Zeit, „in der niemand mehr ‚me too‘ sagen muss“

Eindringliche Rede von Winfrey

Oprah Winfrey, die einen Preis für ihr Lebenswerk bekam, hielt eine bewegende Rede, in der sie vor allem auf die „#MeToo“-Bewegung einging. In ihrer sehr persönlich gehaltenen Rede erinnerte sie auch an das Schicksal der Schwarzen Recy Taylor, die 1944 von sechs weißen Männern vergewaltigt wurde, die nie angeklagt wurden. Erst 2011 entschuldigte sich der Staat Alabama. Taylor starb vor sechs Wochen. „Zu lange sind Frauen nicht gehört worden, oder es wurde ihnen nicht geglaubt, wenn sie es wagten, diesen Männern die Wahrheit zu sagen. Aber ihre Zeit ist abgelaufen. Ihre Zeit ist abgelaufen. Ihre Zeit ist abgelaufen“, so Winfrey.

Alle Mädchen, die wie sie einst die Preisverleihung an Sidney Poitier 1964 sahen, „sollen wissen, dass ein neuer Tag kommt“ - Poitier war der erste Schwarze, der einen Hauptrollenoscar erhielt. Und wenn dieser Tag „endlich beginnt, dann wird das wegen vieler großartiger Frauen geschehen, die sich heute in diesem Raum befinden, und einige ziemlich außergewöhnliche Männer, die hart dafür kämpfen, dass sie die Anführer werden, die uns in eine Zeit führen, in der niemand mehr ‚me too‘ sagen muss. Danke.“

„Three Billboards“ bestes Filmdrama

Der Independent-Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ unter der Regie des Iren Martin McDonagh gewann den Golden Globe als bestes Filmdrama. Der Kriminalfilm holte bei der 75. Verleihung der Preise durch den Verband der Auslandspresse in Hollywood drei weitere Trophäen, unter anderem für Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin in einem Filmdrama.

Reese Witherspoon, Eva Longoria, Salma Hayek und Ashley Judd

APA/AFP/Valerie Macon

Reese Witherspoon, Eva Longoria, Salma Hayek und Ashley Judd in Schwarz auf dem Red Carpet

Die 60-jährige Amerikanerin spielt in dem Kriminalfilm eine kämpferische Mutter, die nach der Ermordung ihrer Tochter gegen die inkompetente Polizei vorgeht. Sam Rockwell wurde zum besten Nebendarsteller gekürt. McDonagh schrieb zu „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ das bestes Drehbuch.

„Lady Bird“ beste Komödie

In der Sparte „Beste Filmkomödie“ siegte die Tragikomödie „Lady Bird“ von Regisseurin Greta Gerwig. Die irisch-amerikanische Schauspielerin Saoirse Ronan gewann ihren ersten Golden Globe. Die 23-Jährige wurde zur besten Hauptdarstellerin in der Sparte Komödie/Musical in „Lady Bird“ gekürt - für ihre Darstellung einer rebellische Schülerin, die ihre kleinstädtische Heimatstadt satthat.

Der britische Schauspieler Gary Oldman konnte sich über die erste Golden-Globe-Trophäe in seiner Laufbahn freuen. Für seine Rolle als britischer Premierminister Winston Churchill in dem Politdrama „Churchill - Die dunkelste Stunde“ nahm er den Preis als bester Drama-Hauptdarsteller entgegen.

Zwei Preise für den Favoriten

Die goldenen Weltkugeln, nach den Oscars die höchsten Auszeichnungen Hollywoods, werden in 25 Film- und Fernsehkategorien verliehen. Das Fantasymärchen „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“ des Mexikaners Guillermo del Toro war mit sieben Nominierungen der Favorit des Abends, erhielt aber nur zwei Preise: für Toro selbst als besten Regisseur und für die beste Filmmusik des französischen Komponisten Alexandre Desplat.

Der deutsche Thriller „Aus dem Nichts“ von Regisseur Fatih Akin, der an die Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle NSU angelehnt ist, wurde zum besten fremdsprachigen Film gekürt. Der deutsche Hollywood-Star Diane Kruger spielt in dem Thriller eine Frau, deren kurdischstämmiger Mann und Sohn von Neonazis ermordet werden.

„Big Little Lies“ räumt bei TV-Globes ab

Ein Drama über häuslichen Missbrauch und eine düstere Zukunftsvision räumten dagegen in den TV-Kategorien groß ab. Bei den Miniserien bekam "Big Little Lies" vier Auszeichnungen, darunter den Hauptpreis als beste Reihe in dieser Kategorie und den für Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle. Kidman und Reese Witherspoon, die ebenfalls eine Hauptrolle spielt, sind zugleich Produzentinnen der Serie, die mit Liane Moriarty auch von einer Frau geschrieben wurde.

Nicole Kidman

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Nicole Kidman, ausgezeichnet für ihre Rolle in „Big Little Lies“

Die dystopische Romanverfilmung „The Handmaid’s Tale“ gewann den Preis als beste Dramaserie, Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wurde beste Schauspielerin. „The Marvelous Mrs. Maisel“ über eine aufstrebende Komikerin im New York der 1950er Jahre wurde beste Comedy-Serie. Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan gewann am Sonntagabend auch den Award für die beste weibliche Hauptrolle. Schauspielerpreise gingen unter anderen an Sterling K. Brown („This Is Us“), Ewan McGregor („Fargo“) und Aziz Ansari („Master of None“).

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