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Großangelegte Lösch- und Suchaktion

Nach der Kollision mit einem Frachtschiff vor der Küste Chinas droht ein brennender Öltanker zu explodieren und zu sinken. Einsatzkräfte kämpften mit Löschbooten gegen die Flammen an, doch war das Feuer auch am zweiten Tag nach dem Zusammenstoß weiter heftig, berichtete das chinesische Staatsfernsehen am Montag.

Auf der 274 Meter langen „Sanchi“ der iranischen Tankergesellschaft NITC loderte auch am Montag weiterhin ein riesiges Feuer an Bord und auf dem umgebenden Wasser. Öl trete aus dem Rumpf des Öltankers aus, hieß es weiter. Unter den Einsatzkräften wachse die Sorge, dass das Schiff mit seiner Ölladung untergehen könnte. Der Tanker drohe „zu explodieren“, hieß es vonseiten des chinesischen Verkehrsministeriums.

Brennender Öltanker

APA/AP/Korea Coast Guard

Die „Sanchi“ steht seit Samstagabend in Flammen

Die „Sanchi“ hatte 136.000 Tonnen Kondensat, ein sehr hochwertiges Leichtöl, an Bord. Wie viel bereits aufgelaufen ist, war unklar. Nicht ausgeschlossen sei, dass ein Großteil des Kondensats bereits verbrannt bzw. verdampft sei, wie der „Guardian“ mit Verweis auf Angaben der südkoreanischen Küstenwache berichtete. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich dennoch „besorgt über den potenziellen ökologischen Schaden“.

Mit Blick auf die drohende Umweltverschmutzung zog Reuters zudem Vergleiche mit dem 1991 ebenfalls in Brand geratenen Öltanker „ABT“. Aus dem vor der Küste vor Angola gesunkenen Schiff liefen Schätzungen zufolge zwischen 49.000 und 255.000 Tonnen Rohöl aus.

China will „zusätzliches Desaster verhindern“

„Wir untersuchen, wie wir ein zusätzliches Desaster verhindern können“, sagte dazu der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Ku Lu. Am Montag seien zwei Schiffe im Einsatz gewesen, um das Öl einzudämmen. Die Einsatzkräfte haben zudem einen Schutzring von 18 Kilometern um das Schiff gezogen, um zu vermeiden, dass andere Schiffe zu nahe kommen.

Leiche geborgen

Weiter kein Lebenszeichen gab es von den 32 vermissten Seeleuten des Schiffes. Es handelt sich um 30 Iraner und zwei Leute aus Bangladesch. Beim Versuch, zu der Besatzung zu gelangen, seien den Rettungskräften nach Angaben des chinesischen Verkehrsministeriums giftige Rauchwolken entgegengeschlagen. Nach Angaben eines iranischen Behördenvertreters wurde bisher die Leiche eines Crewmitglieds auf dem Tanker gefunden. Sie sei zur Identifizierung nach Schanghai gebracht worden.

Karte zeigt Öltanker "Sanchi"

Grafik: APA/ORF.at

Zehn von China entsandte Schiffe sowie „viele Fischerboote“ würden bei der laufenden Rettungsaktion helfen, hieß es aus dem chinesischen Verkehrsministerium. Auch ein Schiff der südkoreanischen Küstenwache sei im Einsatz. Ein US-Marineflugzeug hatte am Sonntag ein großes Gebiet nach möglichen Überlebenden abgesucht, bevor es zurück zur Kadena-Luftwaffenbasis in Japan flog. Das Flugzeug vom Typ P-8A Poseidon habe am Sonntag ein Gebiet von 12.000 Quadratkilometern abgesucht, bevor es zum Stützpunkt in der japanischen Hafenstadt Okinawa zurückgekehrt sei, berichtete die US-Marine am Montag.

Untersuchungskommission soll Ursache klären

Der unter der Flagge Panamas fahrende Tanker war am Samstagabend auf dem Weg nach Südkorea rund 300 Kilometer östlich von Schanghai mit dem chinesischen Frachter „CF Crystal“ kollidiert und in Brand geraten. Die 21 Besatzungsmitglieder des Getreidefrachters, der unter Hongkongs Flagge gefahren war, wurden unversehrt gerettet. Eine Untersuchungskommission wurde eingerichtet, um die Ursache des Unglücks zu ermitteln.

Die von der iranischen Firma Glory Shipping betriebene „Sanchi“ zählt nach Angaben des iranischen Ölministeriums zur NITC-Tankerflotte und gehört somit der staatlichen Ölgesellschaft NIOC. Es ist die zweite Havarie eines NITC-Tankers binnen zwei Jahren. Im August 2016 war ein iranischer Supertanker mit einem Containerschiff in der Straße von Singapur zusammengestoßen.

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