Erneut Hunderte bei Protesten in Tunesien

Mehrere hundert Menschen haben gestern in der tunesischen Hauptstadt Tunis und in der Küstenstadt Sfax gegen steigende Lebenshaltungskosten und die Sparpolitik der Regierung demonstriert. Sie folgten einem Aufruf der Bewegung Fech Nestannew (Worauf warten wir), bei den Protesten wurden gelbe Karten gezeigt.

Die Bewegung ruft seit Jahresbeginn zu Protesten gegen die Preiserhöhungen in dem von einer Wirtschaftskrise gebeutelten Land auf. In Tunis und Sfax gingen jeweils rund 200 junge Demonstranten auf die Straße. In Sfax stand auf einem Plakat: „Das Geld des Volkes ist in den Palästen, die Kinder des Volkes sind in den Gefängnissen.“

Ministerpräsident sieht „Randalierer“

Die Regierung, die sich in den vergangenen Tagen kaum zu den Protesten geäußert hatte, lehnte die Forderungen der Demonstranten jedoch rundweg ab. Der Sprecher von Ministerpräsident Youssef Chahed erklärte, es gebe „keine Demonstrationen, sondern 17- bis 21-jährige Randalierer“, die von dem neuen Finanzgesetz gar nicht betroffen seien.

Die Präsidentschaft erklärte allerdings, Staatschef Beji Caid Essebsi habe mit dem Ministerpräsidenten über Maßnahmen gesprochen, mit denen in den kommenden Tagen die Kaufkraft armer Familien verbessert und die Preise „stärker kontrolliert“ werden sollten.

Mindestens 780 Festnahmen

Bei den Protesten der vergangenen Tage war es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Landesweit gab es nach Angaben des Innenministeriums seit Montag 780 Festnahmen. Das Verteidigungsministerium teilte mit, wegen der Ausschreitungen seien in den größeren Städten nun Soldaten vor Banken, Postfilialen und Regierungsgebäuden postiert worden.