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Starkes Gefälle zwischen Stadt und Land

Bei der Präsidentenwahl in Tschechien liegt Amtsinhaber Milos Zeman nach ersten Zwischenergebnissen deutlich in Führung. Nach Auszählung fast aller Wahlbezirke erhielt der 73-Jährige 38,8 Prozent der Stimmen. In einer Stichwahl in zwei Wochen trifft er damit auf den parteilosen Chemieprofessor Jiri Drahos. Dieser lag nach den vorläufigen Zahlen bei 26,5 Prozent.

Alle übrigen Kandidaten lagen unter zehn Prozent, wie die Statistikbehörde CSU am Samstag mitteilte. Der 73-jährige Zeman ging gesundheitlich angeschlagen in die Wahl. Er leidet an Diabetes, die Ärzte empfehlen ihm, das Kettenrauchen sowie den Alkoholkonsum einzuschränken. Im Wahlkampf positionierte sich Zeman als Zuwanderungsgegner, er pflegt gute Kontakte zu Moskau und Peking.

Harte Worte gegen Migranten

Der ehemalige Kommunist ist besonders für seine harte Wortwahl bekannt. In der Vergangenheit sprach er im Zusammenhang mit Migration von einer „organisierten Invasion“ und sagte, es sei „unmöglich, Muslime zu integrieren“. Deutliche Kritik kam von ihm auch gegenüber der EU. Zeman, seit 2013 Präsident, bezeichnet sich selbst zwar als „Euroföderalist“ und die EU-Flagge weht weiterhin auf der Prager Burg - im Unterschied zu den Zeiten seines Vorgängers Vaclav Klaus -, allerdings gibt es Themen, bei denen Zeman mit Brüssel kaum Einklang findet, etwa die EU-Sanktionen gegen Russland.

In vielen dieser Fragen bewegt sich Zeman auf derselben Welle wie der von ihm trotz Betrugsvorwürfen ernannte Regierungschef Andrej Babis von der Protestbewegung ANO, mit dem aber keine andere Partei zusammenarbeiten will.

Drahos in Prag stark

Zemans Herausforderer Drahos ist parteilos und vertritt deutlich liberalere und proeuropäische Positionen. Er setzt sich für eine stärkere Rolle Tschechiens in der EU sowie für eine Einführung des Euro ein. Drahos befürwortet die EU- und NATO-Mitgliedschaft Tschechiens, lehnt aber wie alle anderen Präsidentschaftskandidaten die EU-Verteilungsquote für Flüchtlinge ab. Der ehemalige Präsident der Akademie der Wissenschaften, dem seine Gegner mangelnde politische Erfahrung vorwerfen, ist 68 Jahre alt.

Die Anhänger des Professors finden sich besonders in der Stadtbevölkerung. Am Land ist er, anders als der Amtsinhaber, nur wenig populär. Zeman gewann in allen Landesteilen außer in Prag. In der Hauptstadt führte dagegen Drahos, ebenso bei den Auslandstschechen.

„Jetzt beginnt alles bei null“

Zeman zeigte sich in einer ersten Reaktion „erfreut“. „Jetzt beginnt aber alles wieder bei null“, sagte er auf einer Pressekonferenz, wo er auch die Bereitschaft äußerte, mit Drahos in einem TV-Duell zusammenzukommen. Vor der ersten Runde hatte Zeman es strikt abgelehnt, an Wahldebatten teilzunehmen.

Drahos erklärte, sein Ergebnis stimme ihn „hoffnungsvoll“. „Sie alle, die eine Wende und Änderung wünschen, kommen Sie zur Stichwahl“, sagte der Herausforderer. Er wolle ein Staatspräsident sein, der verbinde, nicht spalte.

Spannende Stichwahl

Drahos’ Auftreten steht in radikalem Gegensatz zu dem des derzeitigen Amtsinhabers. Einige Umfragen deuten darauf hin, dass Drahos der Einzige ist, der Zeman in der Stichwahl schlagen könnte. Zwar hat Zeman die erste Runde mit einem größeren Vorsprung gewonnen, allerdings kann man laut Medienberichten damit rechnen, dass die Wähler der Kandidaten auf Platz drei bis sechs eher Drahos bevorzugen.

Bei der ersten Wahlrunde zeichnete sich mit rund 61 Prozent eine ähnlich hohe Beteiligung der knapp 8,4 Millionen Wahlberechtigten ab wie bei der ersten Volkswahl des Staatsoberhaupts vor fünf Jahren. Der tschechische Präsident repräsentiert das Land im Ausland, ernennt die Verfassungsrichter und spielt eine Rolle bei der Regierungsbildung.

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