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Hoffen auf Vorbildwirkung

Norwegen will bis 2025 seine Pelzfarmen schließen. Das entschied die neue Minderheitsregierung der konservativen Premierministerin Erna Solberg kürzlich. Nur so konnte sie die liberale Venstre-Partei überzeugen, sich ihrer Minderheitsregierung anzuschließen.

Seit Jahrzehnten bekämpfen norwegische Tierschutzorganisationen die Pelzproduktion in ihrem Land. Andrzej Pazgan von der Tierschutzorganisation PETA Deutschland zeigte sich im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) über den norwegischen Regierungsbeschluss erfreut. „Tatsächlich war diese Entscheidung schon seit einigen Jahren im Gespräch, jedoch wurde immer wieder den Beteuerungen der Pelzindustrie Glauben geschenkt, es würde sich bei den dokumentierten Betrieben lediglich um ‚schwarze Schafe‘ handeln und dass Verbesserungen möglich wären“, so der Tierschützer.

Käfige in einer Pelzfarm

AP/CTK/Vaclav Pancer

Aufnahme aus einer tschechischen Pelzfarm: Die gezüchteten Pelztiere haben in ihren Käfigen kaum Bewegungsraum

Zustände in Betrieben dokumentiert

Mit Videokameras dokumentierten Aktivisten die Zustände in den norwegischen Betrieben: Die Aufnahmen zeigen, wie Hunger, Durst und Krankheiten viele Tiere zu Selbstverstümmelung und Kannibalismus treiben. Pazgan hofft nun, dass Norwegen als Vorbild für andere europäische Länder dient. Recherchen der Tierschutzorganisationen hätten gezeigt, „dass die Zustände in den anderen skandinavischen Ländern und in allen anderen Ländern vergleichbar schlecht sind und in keinster Weise als artgerecht anzusehen sind – auch wenn die Pelzindustrie gerne etwas anderes behauptet“, so Pazgan im „FAZ“-Interview.

Eine Million Felle pro Jahr

Laut der in Brüssel ansässigen Branchendachorganisation Fur Europe gibt es in Norwegen 340 Pelzfarmen (Stand 2016), in denen jedes Jahr über 700.000 Nerze und 110.000 Füchse gezüchtet und getötet werden. Der Jahresumsatz macht laut dem norwegischen Verein der Pelztierzüchter zwischen 350 und 500 Millionen norwegische Kronen (zwischen 36 und 52 Mio. Euro) aus. Auf norwegischen Pelzfarmen werden derzeit etwa eine Million Felle pro Jahr produziert.

Unklar ist bisher, wie sich das Verbot auf den Pelzverkauf im Land auswirken wird. Nach der Ankündigung der Regierung zeigten sich die Produzenten verärgert. „Wir sind schockiert, erschüttert bis ins Mark“, sagte Guri Wormdahl vom Pelzzüchterverband laut der britischen Zeitung „Guardian“.

Marktführer China

Besonders in China boomt der Markt für Pelzwaren und die Pelztierzucht. Aber auch Europa hat einen großen Anteil am Pelzmarkt. In Dänemark, den Niederlanden, Finnland, Polen und den baltischen Staaten gibt es die meisten Pelzfarmen. Die Anzahl der Pelzproduktionsstandorte in Norwegen war laut „Guardian“-Recherchen im Jahr 1939 auf dem Höhepunkt: Mit fast 20.000 Farmen dominierte Norwegen damals den Weltmarkt.

Im Jahr 2013 produzierte Norwegen nur etwa drei Prozent der 7,3 Millionen Fuchsfelle und ein Prozent der 72,6 Millionen Nerze weltweit. Die Marktführerschaft hat China mit 69 Prozent übernommen. Im Exportranking von Pelz und Kunstpelz des Datenportals Index Mundi rangiert Norwegen auf Platz 17. Als größter Exporteur wird hier China vor Hongkong und Dänemark angeführt.

Füchse größer und fetter

Ein großer europäischer Player auf dem Pelzmarkt, Finnland, geriet erst unlängst in die Schlagzeilen. Dort fanden Tierschützer vor wenigen Monaten auf gleich mehreren finnischen Pelzfarmen völlig überzüchtete Silberfüchse, unter anderem einen „Monsterfuchs“ von 20 Kilogramm. Ziel dieser Überzüchtung ist es, dass die Tiere noch mehr Fell ansetzen, um mehr Pelz pro Tier zu gewinnen. In der freien Natur wiegen Silberfüchse etwa 3,5 Kilogramm. Die schwedische Regierung hatte kürzlich angekündigt, das Wohlergehen von Nerzen auf Schwedens Pelzfarmen zu untersuchen. In Deutschland wurden letztes Jahr verschärfte Haltungsanforderungen für Pelzfarmen beschlossen.

Fuchs in einer Pelz-Farm

APA/AFP/Four Paws International

Zuchtfüchse wiegen oft ein Vielfaches des Normalgewichts

Umsätze gehen nach oben

Laut der Tierschutzorganisation Humane Society International ist Norwegen die 14. europäische Nation, welche die Pelztierhaltung auslaufen lässt. Zwar schloss sich beispielsweise das Modelabel Gucci im vergangenen Jahr einer wachsenden Zahl von Modehäusern an, die Pelz aus ihren Kollektionen verbannen. Doch das Geschäft mit dem Pelz floriert. Denn allein zwischen 2010 und 2015 verdreifachten sich die Umsätze der Pelzbranche auf über 40 Mrd. Dollar, wie der „Spiegel“ unlängst berichtete.

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