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Nur Pläne für Parade irritieren

Die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen im benachbarten Südkorea, die am 9. Februar eröffnet werden, ist fix. 22 Athletinnen und Athleten würden nach Südkorea reisen, beide Länder gemeinsam bei der Eröffnungsfeier einziehen, hieß es am Samstag.

In der Beteiligung des international isolierten Landes an den Spielen ruhen große diplomatische Hoffnungen auf eine Entspannung des Konflikts um das nordkoreanische Nuklearprogramm bzw. die Spannungen mit Südkorea und anderen Nachbarn. Diese Hoffnungen betonte auch der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, am Samstag nach einem Treffen mit Ministern beider Länder im Schweizer Lausanne.

„Olympischer Geist“ beschworen

„Heute ist ein großer Tag, weil der olympische Geist beide Seiten zusammengebracht hat“, sagte Bach. Bei der Eröffnungsfeier werden die Delegationen beider Länder unter dem Namen Korea und mit der „Vereinigungsflagge“ in das Stadion einmarschieren. „Das wird nicht nur für Korea ein emotionaler Moment, sondern für die ganze Welt“, sagte Bach, der den Weg zur Einigung als „schwierige Reise“ bezeichnete.

Thomas Bach mit Nordkoreas Sportminister Kim Il Guk und Südkoreas Sportminister Do Jong-hwan

APA/AP/Keystone/Laurent Gillieron

IOC-Chef Bach mit den Sportministern aus Nord- (links) und Südkorea (rechts)

Eine neue „gemeinsame“ Flagge

In der Vergangenheit waren nord- und südkoreanische Athleten bereits zusammen und mit der neutralen Flagge bei olympischen Eröffnungsfeiern wie 2000 im australischen Sydney, 2004 in Athen (Griechenland) oder 2006 im italienischen Turin aufgetreten. Die nun eingesetzte Flagge zeigt die koreanische Halbinsel in Blau vor weißem Hintergrund. Die Sportler aus dem kommunistischen Norden Koreas werden laut IOC in fünf Disziplinen antreten. Darunter ist auch erstmals ein mit Südkorea gemeinsam gebildetes Frauen-Eishockeyteam.

Angst vor Eskalation etwas gedämpft

Es ist das erste Mal, dass beide koreanischen Staaten bei Olympischen Spielen in einer Sportart eine gemeinsame Mannschaft stellen. „Dieses Team ist ein großartiges Symbol der vereinigenden Kraft des olympischen Sports“, sagte Bach. Außerdem starten Nordkoreaner im Eiskunstlauf, Shorttrack (Eisschnelllauf), Ski alpin und Skilanglauf. Sie werden von 24 Trainern und Funktionären begleitet. Nordkorea war zuletzt 2010 in Vancouver mit Athleten bei Winterspielen vertreten. Insgesamt gewannen Wintersportler des isolierten Landes bei acht Teilnahmen nur zwei Olympiamedaillen. Die bisher letzte holte die Shorttrackerin Hwang Ok Sil 1992 mit Bronze in Albertville (Frankreich).

Nordkoreanische Eiskunstläufer Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik

APA/AFP/Christof Stache

Die Eiskunstläufer Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik qualifizierten sich für die Olympischen Spiele

Hin und her um nordkoreanische Delegation

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte in seiner Neujahrsansprache Anfang Jänner angeboten, eine Delegation ins westlich geprägte Südkorea zu entsenden. Die jüngsten Signale der Annäherung zwischen beiden Koreas dämpften zuletzt die Angst vor einer Eskalation des Streits um das nordkoreanische Atomprogramm erheblich. Die Lage hatte sich im vergangenen Jahr nach zahlreichen Raketentests durch Nordkorea zugespitzt.

Unmittelbar vor dem Treffen in Lausanne hatte es dann noch Irritationen zwischen den beiden Ländern gegeben. Nach der Einigung mit Südkorea auf den Auftritt einer nordkoreanischen Musikgruppe während der Winterspiele hatte Nordkorea den Besuch einer Vorausdelegation in Pyeongchang für Samstag angekündigt, diesen dann aber überraschend abgesagt. Nun soll die Delegation mit sieben Mitgliedern aber am Sonntag auf dem Landweg über die schwer bewachte innerkoreanische Grenze anreisen, wie das Vereinigungsministerium in Seoul (Südkorea) mitteilte.

Berichte über geplanten Militäraufmarsch

Für Rätselraten hatten zuvor kolportierte Pläne für eine Militärparade in Nordkorea gesorgt. Englischsprachige Medien, darunter CNN, hatten zum Ende der Woche hin berichtet, Pjöngjang plane offenbar eine größere Militärparade am 8. Februar, einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele im Nachbarland. Der Anlass solle aber „nur“ der 70. Jahrestag der Gründung der nordkoreanischen Streitkräfte sein, hieß es. Trotzdem könnte die Parade bei den Nachbarn erneut für die gewohnten Irritationen sorgen.

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