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Flüchtiges Geld durch Bitcoin und Co.

Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat vor Kurzem eine Liste veröffentlicht, die die zehn reichsten Krypto-Milliardäre aufzählt. Doch noch während für das Ranking recherchiert wurde, zeichnete sich ab, dass Reichtum durch Bitcoin und Co nicht unbedingt von Dauer ist. Denn just am Montag stürzte der Wert der meisten Digitalwährungen um über 20 Prozent, bevor er sich am Dienstag langsam wieder erholen konnte.

Zum Zeitpunkt der „Forbes“-Veröffentlichung führte Chris Larsen, der Gründer der Digitalwährung Ripple, die Liste der Krypto-Schürfer an. Larsens Reichtum wurde sogar höher als jener von Mark Zuckerberg, dem Facebook-Gründer, geschätzt. Der Ripple-Chef habe vor dem Sturz über ein Reinvermögen von fast 60 Milliarden US-Dollar (rund 49 Mrd. Euro) verfügt.

Cameron und Tyler Winklevoss

APA/AFP/Getty Images/Craig Barritt

Die Milliardärszwillinge Tyler und Cameron Winklevoss liegen auf Platz vier der „Forbes“-Liste

Kampf um die obersten Plätze

Doch es dauerte nicht lange, schon fiel mit dem Sturz von Bitcoin am Montag auch der Ripple - und zwar um mehr als 80 Prozent. So musste „Forbes“ seine Liste korrigieren, denn Larsens Reichtum verringerte sich schlagartig auf acht Milliarden und am Mittwoch sogar auf „nur“ sechs Milliarden US-Dollar. Von Platz eins konnte er dennoch nicht verdrängt werden.

Hinter Larsen reihte sich Joseph Lubin. Er gilt als einer der frühen Investoren in die Krypto-Währung Ethereum (kurz: Ether), kurz vor Changpen Zhao (zwei Mrd. US-Dollar), Gründer der virtuellen Währung Binance. Es folgen die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss (1,1 Mrd. US-Dollar), jene Bitcoin-Investoren, die vor allem durch ihren Rechtsstreit mit Zuckerberg Bekanntheit erlangten. Auf Platz fünf fand sich Matthew Mellon (eine Mrd. US-Dollar), ein Bankerbe, der in Ripple investiert hatte.

Nur noch mehr Reichtum für die Reichen?

Doch die Liste zählt nicht nur die reichsten Krypto-Schürfer auf, sie lässt auch noch einige weitere Analysen zu: So finden sich darauf ausschließlich Männer, die sehr früh in Digitalwährungen investiert oder diese sogar gegründet hatten. Wie vor Kurzem die „New York Times“ („NYT“) berichtete, sei das ein Widerspruch zur ursprünglichen Ankündigung der Krypto-Branche, virtuelle Währungen würden das internationale Finanzsystem demokratisieren und Reichtum fairer in der Welt verteilen.

Denn laut „NYT“ profitieren Bitcoin-Schürfer sehr unterschiedlich von ihren Investments. Das Ungleichgewicht in der Vermögensverteilung soll sogar höher sein als in Entwicklungsländern. Am unteren Ende der „Bitcoin-Schere“ ständen vor allem jene Menschen, die ohne viel Vorwissen in Krypto-Währungen investiert hätten.

Grafik zum Bitcoin-Kurs

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/finanzen.at

Fallen die digitalen Währungen im Kurs, habe das umgekehrt keine katastrophale Auswirkung auf die reichsten Krypto-Schürfer der „Forbes“-Liste. Wer viel investiert habe, dem könne zumindest auch nicht viel passieren, so die „NYT“. Der Bitcoin-Preis liege schließlich immer noch 600 Prozent über dem Wert von vor einem Jahr und sogar über 70.000 Prozent über dem Wert von 2012 - jenem Zeitpunkt, an dem die berühmten Winklevoss-Brüder begonnen hatten, Bitcoin zu schürfen.

Undurchsichtiges Vermögen der Krypto-Schürfer

Die „Forbes“-Liste der reichsten Krypto-Schürfer dient in erster Linie als ungefähre Rangordnung und weniger als Informationsquelle über den tatsächlichen Reichtum von Larsen, Lubin und ihren Kollegen. Lubin, der von „Forbes“ als Zweiter gereiht wurde, erklärt gegenüber dem Magazin die Schwierigkeit, sein Vermögen überhaupt in Worte zu fassen. Er sagte zu „Forbes“, er habe beispielsweise sehr viele Ether-Token wieder verkauft, um seine Firma ConsenSys zu gründen. So wurde es für das Wirtschaftsmagazin kompliziert: Das Vermögen konnte deshalb nur ungefähr auf eine bis fünf Milliarden US-Dollar geschätzt werden.

Joseph Lubin

APA/AFP/Emmanuel Dunand

Joseph Lubins Vermögen war für „Forbes“ besonders schwer zu fassen

Viel einfacher ist es da schon, die normale „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt zusammenzustellen: Sie investieren ihr Geld zum Großteil in Aktien an der Börse, die üblicherweise offengelegt werden. Bei Krypto-Währungen gebe es hingegen das Problem, so die „NYT“, das die Investoren nichts über ihre Identität oder Anlagegewohnheiten preisgeben müssen, sofern sie nicht wollen - die Onlinewelt garantiere ihnen volle Anonymität. Das System der digitalen Währungen sei außerdem von Menschen geschaffen worden, die großes Interesse daran hätten, ihre Daten zu schützen - vor allem in finanzieller Hinsicht.

Mysteriöser Bitcoin-Gründer nicht auf Liste

So sei laut „NYT“ auffällig, dass vor allem ein Mensch nicht auf der „Forbes“-Liste vorkomme - der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto (kurz: Satoshi) bekannte Bitcoin-Gründer. Wilde Gerüchte wurden rund um Satoshis Identität bereits gesponnen. Beweise, wer er ist oder wie er wirklich aussieht, gibt es allerdings keine. Experten vermuten, dass Satoshi im ersten Jahr nach der Erfindung von Bitcoin 2009 rund eine Million Token angesammelt haben könnte. Nur wenigen sei zu diesem Zeitpunkt Bitcoin überhaupt ein Begriff gewesen, so die „NYT“. Satoshi aber soll Gerüchten zufolge mittlerweile Bitcoins im Wert von rund sieben Milliarden US-Dollar angehäuft haben.

50 Cent unabsichtlicher Bitcoin-Millionär

Für mysteriöse und kuriose Geschichten sorgen Krypto-Währungen immer wieder einmal: Im Jahr 2014 konnten Musikliebhaber das Album „Animal Ambition“ des Rappers 50 Cent mit Bitcoin bezahlen. 50 Cent hatte nach eigenen Angaben komplett auf das von ihm eröffnete Konto vergessen - bis schließlich die Nachrichtenwebsite TMZ darauf aufmerksam machte.

50 Cent habe durch die Aktion zwischen sieben und achteinhalb Millionen US-Dollar verdient - obwohl nur 700 Alben mit Bitcoin bezahlt wurden. Der Rapper bestätigte den Artikel auf TMZ via Instagram und Twitter und kommentierte unter anderem: „Nicht schlecht für ein Kind von der South Side, ich bin so stolz auf mich. Aber ich will ehrlich sein, ich habe komplett vergessen, dass ich diesen Mist getan habe.“

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