„Brexit“: Kurz und Varadkar gegen „harte Grenze“

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und der irische Ministerpräsident Leo Varadkar haben gestern in Wien gesagt, dass es im Zuge der „Brexit“-Verhandlungen nicht dazu kommen dürfe, dass zwischen Irland und Nordirland eine „harte Grenze“ entstehe.

Für Irland sei es von „großem nationalen Interesse“, dass es nach dem EU-Austritt Großbritanniens „neue Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU“ gebe, die freien Handel und Reiseverkehr ermöglichen würden, so Varadkar. „Noch warten wir auf die Entscheidung Londons, welche Beziehung sie zur EU künftig wollen.“

Rasche Entscheidung gefordert

Wichtig sei jedenfalls eine rasche Entscheidung. Eine „harte Grenze“ müsse unbedingt vermieden werden, denn es „wäre auch unvorstellbar, wieder eine Grenze zwischen Österreich und Bayern zu haben“, sagte Varadkar.

Österreich und Irland hätten ähnliche Interessen, so Kurz. Beide seien eher kleine und zudem neutrale Länder, die auch bei der Frage der Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen einer Meinung seien. Varadkar sagte, er und Kurz, den er schon aus der Europäischen Volkspartei (EVP) kenne, hätten auch über Migration und den neuen mehrjährigen Finanzrahmen der EU gesprochen.

Beide Länder seien Nettozahler in der Europäischen Union und würden für Freihandel eintreten, so Varadkar. Auch die von Österreich vorangetriebene Erweiterung der EU um die Westbalkan-Länder werde von Irland unterstützt.

Auch Gast beim Opernball

Der 39-jährige Varadkar ist seit Mitte Juni Regierungschef Irlands. Seine Partei Fine Gael gehört wie die ÖVP der EVP an. Im Jänner 2015 hat sich Varadkar an seinem 36. Geburtstag im Radio als erster Minister in der irischen Geschichte als homosexuell geoutet. Er wird am Abend mit seinem Partner Matthew Barrett als Gast in der Kanzlerloge am Opernball teilnehmen.