Kolumbien: Guerillaoffensive gefährdet Friedensprozess

Nach der vorläufigen Unterbrechung der Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation ELN haben die Rebellen eine Militäroffensive gestartet. Gestern sprengten sie im Department Cesar im Norden des Landes eine Brücke und griffen einen Lastwagen mit einem Sprengsatz an, wie die Streitkräfte mitteilten.

Die neuen Attacken sind ein schwerer Rückschlag für den Friedensprozess in dem südamerikanischen Land. „Die Gespräche wiederaufzunehmen wird sehr schwierig“, sagte Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos. „Die ELN sagt ständig, sie wolle den Frieden suchen, aber ihre Taten widersprechen ihren Worten.“

Friedensverhandlungen seit einem Jahr

Ende Jänner hatte die Regierung die Verhandlungen mit den ELN auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, nachdem die Rebellen eine Reihe von Bombenanschlägen auf Polizeiwachen mit Toten und Verletzten verübt hatten. Die Guerilla kündigte daraufhin eine Offensive bis zum kommenden Dienstag an.

Die Regierung und die ELN hatten vor einem Jahr in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito Friedensverhandlungen aufgenommen. Der erste Durchbruch war eine Waffenruhe, die von Oktober vergangenen Jahres bis Jänner hielt. Seitdem haben die Feindseligkeiten wieder zugenommen.

Seit dem Friedensvertrag mit der größeren Rebellengruppe FARC Ende 2016 ist die ELN mit ihren knapp 2.000 Kämpfern die letzte aktive Guerillaorganisation in dem südamerikanischen Land.