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Initiative für Besteuerung

Indien, China, Russland und Südkorea haben bereits angekündigt, den Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin zu beschränken oder gar zu verbieten. In Island droht den Bitcoin-Schürfern, die via geballte Computerpower gezielt Bictoin erschaffen, dagegen Ungemach der anderen Art.

Denn Island hat sich in den letzten Monaten zu einem wahren Hub für die Kryptowährungsindustrie entwickelt. Das hat zur Folge, dass laut Nachrichtenagentur AP in Island heuer wohl erstmals mehr Strom für die energieintensive Gewinnung von Bitcoin und Co. verbraucht werden wird als für alle Haushalte des Inselstaates zusammen.

Dass Island ein logisches Ziel für die Industrie ist, liegt eigentlich auf der Hand: Es gibt auf der Insel erneuerbare Energie in Hülle und Fülle - dank Geothermie- und Wasserkraftwerken. Zudem sorgt das kalte Klima dafür, dass die Kühlkosten für die Serveranlagen der Kryptomining-Firmen besonders niedrig sind.

Genesis Mining

APA/AP/Egill Bjarnason

Kilometerweise Kabel und Tonnen von Rechnern im kühlen Norden

„Unter normalen Umständen“

Der isländische Abgeordnete Smari McCarthy will die Gewinne der Schürffirmen besteuern und plant einen entsprechenden Antrag im Parlament. Der Vorstoß werde bei den Isländern nach den katatrophalen Folgen des Bankencrashs im Jahr 2008 wohl gut ankommen, ist AP überzeugt.

McCarthy, der der in Island starken Piratenpartei angehört, betont, dass Firmen „unter normalen Umständen, wenn sie Wert schaffen, eine gewisse Menge davon als Steuer an die Regierung abführen müssen". Diese Unternehmen würden das aber nicht machen,"und wir könnten uns fragen, ob sie das nicht tun sollten“.

Schürfen wird immer aufwendiger

Bitcoin ist die bekannteste von mittlerweile mehr als 1.000 Digitalwährungen, die auch Kryptowährungen genannt werden. Anders als herkömmliche Währungen wird Bitcoin nicht von Zentralbanken und Regierungen kontrolliert. Es gibt auch keine Scheine oder Münzen in den Händen, sondern nur Bits und Bytes auf Computern. Bitcoin wird durch gigantische Rechenprozesse erzeugt. Dieses Mining wird komplizierter, der Stromverbrauch dafür größer.

Bitcoin-Fans schwärmen von Anonymität und dezentraler Autonomie. Kritiker warnen vor Missbrauch und Kriminalität. Beispielsweise werden Opfer von Erpressungen mit Computerviren häufig aufgefordert, das Lösegeld in Bitcoin zu zahlen. Die Täter können so kaum identifiziert werden. „Es tummeln sich auch Spekulanten und windige Geschäftemacher auf dem Markt“, warnt Elisabeth Roegele, Chefin der Wertpapieraufsicht bei der deutschen Finanzbehörde BaFin.

Svartsengi Geothermie Kraftwerk

APA/AP/Egill Bjarnason

Das Geothermiekraftwerk Svartsengi

„Ganze Menge an Anfragen“

Vor allem im Süden Islands, in der Stadt Keflavik, haben sich zuletzt mehrere einschlägige Firmen niedergelassen - und dazu geführt, dass am Rande der Stadt weitläufige Bauten, die große Serveranlagen beheimaten, entstanden. Johann Snorri Sigurbergsson vom isländischen Energieerzeuger Hitaveita Sudurnesja, prognostiziert heuer eine Verdoppelung des Stromverbrauchs durch die Krypto-Schürfunternehmen auf rund 100 Megawatt. Das ist laut der isländischen Energiebehörde mehr, als alle 340.000 Haushalte im Jahr verbrauchen.

Bitcoin mining farm bei Keflavik

Reuters/Jemima Kelly

Die chinesische Schürffirma Bitmain hat es ebenfalls nach Keflavik gezogen

Laut Sigurberggson war dieser Trend noch vor vier Monaten nicht vorhersehbar. Aber dann sei Bitcoin durch die Decke gegangen, und „wir bekamen eine ganze Menge Anfragen per E-Mail“. Die Serverfarmen, die ausschließlich dem Generieren von Krypotwährung dienen, sind so gebaut, dass sie das kalte Klima so gut wie möglich zur Kühlung der Rechner nutzen. Der permanente Windzug kühlt automatisch, da es in den Wänden Öffnungen gibt. Der Manager von Genesis Mining in Island, Helmut Rauth, lehnt erwartungsgemäß den Vorstoß, seine und andere einschlägige Firmen zu besteuern, ab. Auch für andere Transaktionen im Internet werde ja viel Strom verbraucht.

„Das kann nicht gut sein“

Die Isländer erinnern sich aber an die Zeit, als das Land zuletzt ein beliebtes Ziel für die internationale Finanzwelt war - das ist heuer ja erst zehn Jahre her. Die Finanzkrise und der Zusammenbruch vieler Banken, in die viele Isländer viel Geld investiert hatten, brachten das Land wirtschaftlich und politisch schwer in Turbulenzen. Der Pirat McCarthy ist jedenfalls überzeugt: „Wir geben Dutzende oder vielleicht Hunderte Megawatt aus, um etwas zu produzieren, das nicht greifbar ist und - außer in der Welt der Spekulation - keinen echten Nutzen für die Menschen hat. Das kann nicht gut sein.“ McCarthy plädiert daher für klare Regeln - von Rechtssicherheit würden auch die Unternehmen profitieren.

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