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Sekretärin für Stillschweigen beschenkt

Jahrelang war in Linz um das verschollene Bild prozessiert worden - nun ist es aufgetaucht: Eine 1977 pensionierte und im Dezember 2017 verstorbene Sekretärin des Leiters der Neuen Galerie (heute Lentos) hatte die Zeichnung „Zwei Liegende“ von Gustav Klimt widerrechtlich besessen und letztwillig verfügt, sie nach ihrem Tod der Stadt zurückzugeben.

Die Frau hatte das Werk jahrelang in einem Kasten versteckt, teilte Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) in einer Pressekonferenz am Dienstag mit. Der Rechtsanwalt der Verstorbenen händigte das Bild und die letztwillige Verfügung Mitte Jänner der Stadt aus.

In der Verfügung habe die ehemalige Sekretärin angegeben, dass sie seinerzeit bemerkt habe, dass drei Leihgaben in der Neuen Galerie nicht entsprechend dokumentiert waren. Ihr Chef Walter Kasten habe verlangt, dass sie über ihre Entdeckung schweige. Dafür soll der damalige Leiter der Neuen Galerie ihr das Klimt-Bild „Zwei Liegende“ geschenkt haben.

Klimts "Zwei Liegende"

APA/Reinhard Haider

Das nun aufgetauchte Klimt-Bild

Kasten war 1951 Kustos der von Wolfgang Gurlitt gegründeten und geleiteten Neuen Galerie der Stadt Linz, die Verstorbene war seine Sekretärin. 1953 übernahm die Stadt die Neue Galerie. Kasten folgte Gurlitt 1958 als Leiter nach und übte diese Funktion bis 1973 aus. Er starb 1984.

Jahrelanger Rechtsstreit

1951 hatte die Eigentümerin Olga Jäger die Zeichnung „Zwei Liegende“ von Klimt sowie drei Bilder („Junger Mann“, „Tote Stadt“, „Paar“) von Egon Schiele an die Neue Galerie der Stadt Linz verliehen. Kasten bestätigte die Übernahme mit seiner Unterschrift. Als die Erben 2006 den Leihschein aus dem Nachlass einlösen wollten, waren die Werke aber nicht mehr auffindbar. Daher klagten sie die Stadt auf Schadenersatz - zugleich der Beginn eines Rechtsstreits durch alle Instanzen.

2011 sprach der Oberste Gerichtshof (OGH) den Nachkommen für die Schiele-Zeichnung „Paar“ 100.000 Euro zu. Dann wurde um die drei anderen Bilder - die Klimt-Zeichnung „Zwei Liegende“ sowie das Aquarell „Junger Mann“ und das Ölgemälde „Tote Stadt“ von Schiele - prozessiert. Das Gericht entschied, dass die Erben auch dafür zu entschädigen seien. Anschließend ging es vor Gericht um die Höhe.

Zweifel an Echtheit

Die Stadt äußerte Zweifel an der Echtheit der verschwunden Bilder, was zu einem Sachverständigenstreit über den tatsächlichen Wert der Kunstwerke führte. Zwei von der Stadt engagierte Schiele-Kenner gingen davon aus, dass „Tote Stadt“ höchstwahrscheinlich eine Fälschung sei. Der gerichtlich beauftragte Sachverständige schätzte den Wert der Bilder jedenfalls dennoch auf 8,24 Millionen Euro, wobei allein „Tote Stadt“ 7,5 Millionen Euro ausmachen soll.

Bisher wusste man auch nicht, wann die Bilder verschwunden waren. Im Fall der Klimt-Zeichnung gab es auch nur eine vage Beschreibung. Angesichts dessen, dass Klimt eine ganze Reihe von liegenden Akten gezeichnet hatte, tauchte im Zuge der Suche sogar der Verdacht auf, das Werk könnte 1962 in der Wiener Albertina gezeigt worden sein.

Schiele-Bilder weiter gesucht

Aber wer ist nun der rechtmäßige Eigentümer der „Zwei Liegenden“? „Wir haben schon bezahlt, wir glauben, wir sind es“, so Bruno Binder, der Rechtsvertreter der Stadt. Die Erben könnten die Zeichnung gegen Rückzahlung des Schadenersatzbetrags bekommen. „Leider ist es das günstigste der verschollenen Werke“, merkte Binder an. Laut Gericht beläuft sich der Wert auf 66.000 Euro.

Das Bild wird nun ab Freitag in der Ausstellung „1918 - Klimt.Moser.Schiele Gesammelte Schönheiten“ im Kunstmuseum Lentos zu sehen sein und den Erben gegen Rückzahlung des Schadenersatzbetrages zurückgegeben. Bürgermeister Luger hofft, dass auch die drei verschollenen Schiele-Bilder wieder auftauchen. Er kündigte an, die Stadt werde erneut Nachforschungen starten. Zudem gebe es eine Auslobung der Stadt in der Höhe von 5.000 Euro für sachdienliche Informationen bei der Suche nach den Bildern. Laut Binder gibt es „keine ernstzunehmenden Hinweise“, dass sich noch mehr verschollene Bilder im Besitz der Sekretärin befanden.

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