Ex-Häftling: Gefangene in China arbeiten für Modelabels

Ein ehemaliger britischer Häftling in China hat Zweifel an der moralischen Integrität von Firmen wie C&A und H&M gesät. Einem Bericht des früheren Privatdetektivs Peter Humphrey in der „Financial Times“ zufolge wurde zu Hungerlöhnen in einem chinesischen Gefängnis für westliche Modefirmen gefertigt.

„Unsere Männer stellten Verpackungsteile her. Ich erkannte bekannte Marken wie 3M, C&A, H&M. So viel zur sozialen Verantwortung von Unternehmen“, schrieb Humphrey in einem Artikel für die Zeitung von Mitte Februar über seine Haftzeit in den Jahren 2013 bis 2015. Für ihre Arbeit in Vollzeit erhielten die Gefangenen dem Bericht zufolge einen Monatslohn von umgerechnet rund 15 Euro.

C&A kündigt Untersuchung an

C&A kündigte heute auf Anfrage eine Untersuchung an. „Wir nehmen diese vom Autor erwähnten Vorwürfe sehr ernst und werden versuchen, mehr Informationen über den Fall zu recherchieren“, hieß es in einer Mitteilung. Das Unternehmen toleriere „keine Form der Zwangsarbeit oder Schuldknechtschaft“ in seiner Lieferkette. „Im Falle von Zwangsarbeit würden wir die Geschäftsbeziehung zum Lieferanten sofort aufkündigen. Dies schließt jegliche Art von Gefängnisarbeit ein.“

Ähnlich reagierte auch das Unternehmen H&M zu den Vorwürfen. „Wir sind uns der Behauptungen bewusst und nehmen sie sehr ernst. Derzeit können wir nicht bestätigen, ob sie korrekt sind oder nicht. Wir arbeiten intensiv mit unserem Team in China zusammen, um mit weiteren und detaillierteren Informationen eine Ermittlung durchzuführen“, heißt es in einer Stellungnahme. Es sei absolut inakzeptabel, Produktionen in Gefängnisse zu verlegen.

Zwangsarbeit in Gefängnissen offiziell abgeschafft

Menschenrechtsorganisationen in China zufolge gibt es weder Beweise noch Gegenbeweise, dass Zwangsarbeit in chinesischen Gefängnissen weiterhin existiert. Offiziell sei sie 2013 abgeschafft worden.

Peter Humphrey und seine US-amerikanische Ehefrau Yu Yingzeng wurden 2014 in China zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dem Paar wurde vorgeworfen, illegal Informationen über chinesische Staatsbürger beschafft zu haben.

Humphrey hatte sich in China als Privatdetektiv verdingt und war von dem britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) beauftragt worden herauszufinden, wer Korruptionsvorwürfe gegen den Konzern in China erhoben hatte. Er wurde 2015 aus gesundheitlichen Gründen gemeinsam mit seiner Frau aus der Haft entlassen und kehrte nach Großbritannien zurück.