Giftattentat: Tusk will Putin nicht zu Wahlsieg gratulieren

EU-Ratspräsident Donald Tusk will Russlands Präsident Wladimir Putin nicht zur Wiederwahl gratulieren. Der Grund dafür ist der Giftanschlag in Großbritannien. „Nach dem Salisbury-Anschlag bin ich nicht in der Stimmung, die Wiederernennung von Präsident Putin zu feiern“, sagte Tusk heute in Brüssel. Anders als Tusk hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Putin in einem Brief gratuliert und ihm Gespräche über eine „paneuropäische Sicherheitsordnung“ angeboten.

Putin hatte am Wochenende bei der Präsidentschaftswahl 76,7 Prozent der Stimmen erhalten. Die Beziehungen zwischen Russland und der EU haben sich seit der Ukraine-Krise von 2014 dramatisch verschlechtert. Belastet wurden sie zuletzt durch den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter Julia in Großbritannien, für den die Regierung in London Moskau verantwortlich macht.

Johnson: WM in Russland wie Olympische Spiele 1936

Auch London setzt die verbalen Angriffe fort. Der britische Außenminister Boris Johnson stellte Vergleiche zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Adolf Hitler an. Er schloss sich der Einschätzung eines Labour-Abgeordneten an, Putin werde die Fußball-WM im Sommer in Russland nutzen, „wie Hitler die Olympischen Spiele 1936 nutzte“.

„Ich glaube, Ihre Charakterisierung dessen, was sich in Moskau abspielen wird, die Fußballweltmeisterschaft, in allen Bereichen, ja, ich glaube der Vergleich mit 1936 ist sicherlich richtig“, sagte Johnson während einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament. Es sei eine „Brechreiz erregende“ Aussicht, dass Putin die Veranstaltung auskoste. Einer Forderung, die Teilnahme der englischen Fußballnationalmannschaft zu stoppen, wollte sich Johnson aber nicht anschließen.

Moskau spekuliert über Londons Verantwortung

Zuvor hatte Moskau über die Schuld Londons an dem Attentat spekuliert: Nach russischer Darstellung wurde der Anschlag auf Skripals Tochter möglicherweise von Großbritannien inszeniert.
Es gebe nur zwei logische Erklärungen, sagte der Chef der Abteilung Rüstungskontrolle im Außenministerium, Wladimir Jermakow: Entweder seien die britischen Behörden nicht in der Lage, Schutz vor solchen Terroranschlägen im eigenen Land zu gewähren. Oder sie hätten - direkt oder indirekt - selbst den Anschlag auf eine russische Staatsbürgerin inszeniert. Er wolle aber niemanden beschuldigen.