„Jedermann“ im Rausch der Rockmusik

Noch ein „Jedermann“ - und was für einer: Nach der Uraufführung von Ferdinand Schmalz’ „jedermann (stirbt)“ war gestern Publikumsliebling Philipp Hochmair mit seinem Soloprogramm „jedermann (reloaded)“ zu Gast im Wiener Burgtheater und brachte das volle Haus als Frontman seiner Band Elektrohand Gottes zum Zittern.

Jedermann

Heike Blenk

Aus dem Dunkel kommen die Musiker in Nebel gehüllt auf die Bühne, mystische Klänge begleiten sie. Schließlich betritt Hochmair die Punkrockbühne, die Show kann beginnen. Inmitten von einem Meer an Friedhofskerzen, Kreuzen, Schädeln und anderem Schauerdekor ist Hochmairs Jedermann vor allem eines: geil - auf sich und auf sein Geld, auf sein Haus und seine Gedanken. Er kommt selbstzufrieden daher, zigarrenpaffend in Militärhosen und schwarzem Sakko, das er öfters auszieht, dann wieder in schillerndem Goldjackett.

Die Gier nach Besitz

Jedermanns Gier nach Besitz, die eigentlich nirgends hinführt, wird an diesem Abend so laut, dass man nicht anders kann, als zumindest zu versuchen, sich mit Hochmair zu identifizieren. Unter extremem Körpereinsatz rezitiert Hochmair die Verse Hugo von Hofmannsthals anderthalb Stunden lang nicht nur, er brüllt, haucht, flüstert und schreit sie - je nachdem, in welche Rolle er gerade schlüpft.

Und er spielt so gut wie alle Rollen, wenn auch stark gekürzt, selbst - ob Schuldknecht, Mutter, die guten Werke oder den Tod. Dazu braucht es schauspielerisches Handwerk, das Hochmair ohne Frage besitzt. Vor allem das Gespräch mit der Mutter gelingt dem Schauspieler berührend.

Unterstützung an seinem Soloabend bekommt er nur von Patricia Aulitzky, die ihm für kurze Zeit als Buhlschaft mit pinkfarbenen Haaren zur Seite steht. Ansonsten bleibt er mit seinen Musikern alleine.

Eindrucksvolle Show

Die sorgen dafür, dass Jedermanns Geisteszustand, seine Gedanken und Ängste laut werden. Wütende Gitarrenriffs (Tobias Herzz Hallbauer), taktgebendes Schlagwerk (Alvin Weber) oder endlos werdende Loops (Elektroklangkünstler Jörg Schittkowski, der auch das schwer zu spielende Theremin eindrucksvoll beherrschte) - was von der Bühne tönt, reißt mit.

Mühsam wird der Abend gen Schluss, als von dem glaubhaften Spiel des ersten Teils nicht viel übrig bleibt, und Hochmair als Mammon in Goldbehang über die Bühne rollt, die Szene verlässt, die Musiker um Glockengeläut bittet und damit das Publikum erheitert - wirklich nahe geht die Todesszene des Rockstars kaum. Vielleicht muss sie das auch nicht.

Showmaster Hochmair hat den Jedermann auf alle Fälle „reloaded“, dem Publikum hat’s gefallen - langanhaltender Applaus und Jubel für Hochmair und seine Band.