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Wichtiger Zeuge in Sonderermittlung

Der ehemalige Chef der US-Bundespolizei FBI, James Comey, hat US-Präsident Donald Trump als „moralisch ungeeignet“ für das höchste Staatsamt bezeichnet. Trump sei ein gefährlicher Anführer, der Institutionen und kulturellen Normen „gewaltigen Schaden“ zufüge, sagte Comey dem Sender ABC News.

„Eine Person, die Frauen wie ein Stück Fleisch behandelt und auch so über sie redet, der kontinuierlich über große und kleine Dinge lügt und darauf besteht, dass die Amerikaner das glauben - diese Person ist nicht geeignet, Präsident der USA zu sein.“ In dem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Senders ABC News sagte Comey, er glaube nicht an Spekulationen, wonach Trump geistig nicht fit sei oder Demenz im Anfangsstadium habe.

„Muss für Werte stehen, die unser Land ausmachen“

„Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht“, sagte der 57-Jährige. „Ich glaube nicht, dass er medizinisch nicht dazu in der Lage ist, Präsident zu sein. Ich glaube, er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein.“ Weiters sagte Comey: „Unser Präsident muss Respekt verkörpern und für die Werte stehen, die unser Land ausmachen. Das Wichtigste ist die Wahrheit. Dieser Präsident ist nicht in der Lage, das zu tun.“

ABC News Korrespondent George Stephanopoulos mit dem früheren FBI Direktor James Comey

APA/AP/ABC/Ralph Alswang

Trump beschimpft Comey

Am Dienstag erscheint Comeys Buch. Trump bezeichnete Comey am Sonntag als „Dreckskerl (slime ball) James Comey“ und twitterte, er werde als „der schlechteste FBI-Direktor in die Geschichte“ eingehen. Trump hatte Comey im Mai 2017 überraschend entlassen. Der Präsident begründete den Rauswurf unter anderem mit den FBI-Ermittlungen zur Russland-Affäre - also zu den mutmaßlichen Einmischungen Russlands zugunsten Trumps im Wahlkampf und möglichen illegalen Verbindungen von Trump-Mitarbeitern nach Moskau. Nach seiner Entlassung sagte Comey im Senat aus, er sei von Trump wegen der Ermittlungen bedrängt worden. Bereits seit Tagen hatten die beiden einander mit Beleidigungen überzogen.

Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe einer russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft. Comey gilt inzwischen als wichtiger Zeuge für Mueller.

Hält Justizbehinderung für möglich

Comey wollte auch nicht ausschließen, dass Trump die Justiz behindert haben könnte. Es gebe sicherlich Beweise für Justizbehinderung, sagte Comey auf eine entsprechende Frage. In der Interviewpassage ging es um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

Abrechnung mit Trump

Comey rechnet in einem neuen Buch unbarmherzig mit dem Präsidenten ab. Das Werk mit dem Titel „A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership“ (deutscher Titel: „Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an“) soll am Dienstag erscheinen. Darin schildert er den Präsidenten als Mann ohne moralischen Kompass, als notorischen Lügner, der das Land im Stil eines Mafia-Bosses führt.

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