„Midsummer Night’s Dream“: Shakespeare in der Schule

Benjamin Brittens Oper „A Midsummer Night’s Dream“ hat am Sonntag am Theater an der Wien Premiere gefeiert. Regisseur Damiano Michieletto hat William Shakespeares „Sommernachtstraum“ um eine psychologische Ebene erweitert und in die Moderne verlegt: Statt in Athen spielt die Handlung in einem Schulturnsaal. Auf der Bühne symbolisieren neongrüne Stangen den Zauberwald.

Theaterstück "Midsummer Night's Dream"

Werner Kmetitsch

Puck (Maresi Riegner) ist bei Michieletto kein Kobold, sondern ein Schulkind, das Probleme mit den Autoritäten hat: Hippolyta (Ann-Beth Solvang) und Theseus (Günes Gürle) wollen seine Maske. Doch die dient ihm dazu, sich in eine Fantasiewelt zu flüchten, wo er dem Elfenkönig Oberon dient.

Spiel der Hormone

In der Schule geht es indes nur allzu menschlich zu: Pucks Schulkollegen kauen Kaugummi, schmusen und prügeln sich. Im Spiel der Hormone vorne dabei sind zwei Pärchen, denen verboten wurde zu heiraten: das glückliche Paar Lysander und Hermia sowie Helena und Demetrius, der deren Liebe nicht im selben Ausmaß erwidert.

Theaterstück "Midsummer Night's Dream"

Werner Kmetitsch

Während die Paare im Shakespeare-Original in einen Wald bei Athen flüchten, verbringen sie bei Michieletto eine verbotene Nacht in der Schule.

Riesenesel im Stück im Stück

Ein weiterer Handlungsstrang im Sommernachtstraum ist das Stück im Stück: Während im Shakespear’schen Original eine Handwerksgruppe „Pyramus und Thisbe“ für die Hochzeit von Theseus und Hippolyta einstudiert, sind es in Michielettos Deutung Schulkollegen von Puck, die „Pyramus und Thisbe“ als Schultheateraufführung vorbereiten.

Einer der Aufführenden, Nick Bottom, wird von Puck in einen monströsen Esel verwandelt, in den sich die ebenfalls verzauberte Titania verliebt.

Ein einsames Kind

Michieletto nutzt den Vorhang einer eingebauten Bühne, um darauf Bilder aus Pucks Erinnerung zu projizieren. Sie zeigen Morgenroutine: das Packen der Schultasche, das Frühstück mit den Eltern, eine Autofahrt.

Der Regisseur schafft es in seiner Deutung des Shakespeare-Klassikers immer wieder, mit den komischen Momenten zu brechen. Sein Puck ist ein einsames und offenbar traumatisiertes Kind, dessen Schicksal bewegend und stringent erzählt wird.

„Spendet freundlich Beifall“

Dirigent Antonello Manacorda führte die Wiener Symphoniker mit musikalischer Sensibilität durch die mehr oder weniger skurrilen Geschehnisse auf der Bühne und entlockte dem Orchester jene Britten’schen Soundeffekte, die das Stück so spannend machen.

Die letzten Worte auf der Bühne gehören dem Esel: „Spendet freundlich Beifall, wenn es euch gefällt.“ Das Publikum folgte gerne: Langanhaltender Beifall für das gesamte Ensemble, Jubel für Michieletto und sein Team sowie Dirigent Manacorda.