Rücktrittsforderung: Weiter Kritik an Musikpreis Echo

Die Verleihung des deutschen Musikpreises Echo an die Rapper Kollegah und Farid Bang sorgt weiter für Kontroversen. Der deutsche Musiker Peter Maffay forderte heute den Rücktritt der Echo-Verantwortlichen.

Die beiden Rapper waren vergangene Woche für einen Song ausgezeichnet worden mit den Zeilen: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ‚nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow“.

Rapper Kollegah und Farid Bang

APA/AP/Axel Schmidt

„Ohrfeige“ für demokratisches Verständis

Der verantwortliche deutsche Bundesverband Musikindustrie hatte nach einer Welle des Protests schließlich Änderungen am Konzept des Musikpreises angekündigt.

Das reiche nicht aus, kritisierte Maffay. „Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut, und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren“, schrieb er. Die Verleihung sei gerade angesichts der deutschen Vergangenheit eine „Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land“.

ARD-Koordinator sieht dreifaches Versagen

Auch der ARD-Koordinator für Unterhaltung stellte den Echo-Musikpreis infrage. „Die Musikindustrie steckt den Kopf in den Sand, hofft, das Ungemach zieht vorüber, und lernt nichts“, schrieb Thomas Schreiber in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“.

„Dabei gibt es nur eine sinnvolle Reaktion: eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch.“ Es sei beschämend und schamlos, dass sich die deutsche Musikindustrie in einer Liveübertragung im deutschen Fernsehen am Gedenktag der Opfer des Holocaust auf diese Weise feiere.

Preisträger gaben Echo zurück

Das Notos-Quartett aus Berlin protestierte unterdessen gegen die Ehrung der Rapper, indem es auf Facebook ankündigte, den im vergangenen Herbst gewonnen Preis Echo Klassik zurückgeben zu wollen: „Die Echo-Trophäe, die bis zuletzt noch in unserem Probenstudio in Berlin stand, ist für uns nun nichts mehr als ein Symbol der Schande“, schrieben die vier Musikerinnen und Musiker.

Ebenfalls seinen Echo zurückgeben will der Musiker und Grafiker Klaus Voormann: „Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung“, so Voormann, der am Donnerstag mit dem Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden war.