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Gezielte Anwerbung als „Sklavinnen“

Die US-Schauspielerin Allison Mack, unter anderem bekannt aus der US-Fernsehserie „Smallville“, ist wegen des Verdachts des Menschenhandels festgenommen worden. Der 35-Jährigen wird vorgeworfen, Frauen für eine angebliche Selbsthilfegruppe rekrutiert zu haben, in der diese zum Sex gezwungen wurden.

Anführer der Sekte sei Keith Raniere, sagte der New Yorker Staatsanwalt Richard Donoghue, Mack gehöre zu den ranghöchsten Mitgliedern der Organisation direkt unterhalb von Raniere. Raniere wurde bereits im März wegen des Vorwurfs des Sexhandels in Mexiko festgenommen.

Laut Staatsanwaltschaft baute Raniere in den vergangenen 20 Jahren eine Reihe angeblicher Selbsthilfeprogramme innerhalb seiner Dachorganisation namens Nxivm auf und betrieb Einrichtungen in den USA, Mexiko, Kanada und Südamerika. Die Kurse kosteten mehrere tausend Dollar, und die Teilnehmerinnen wurden dazu ermutigt, für Zusatzkurse zu zahlen und andere Mitglieder zu werben, um innerhalb der Organisation aufzusteigen.

Frauen lieferten Erpressungsmaterial

Mack soll laut Anklage für Raniere gezielt Schauspielerinnen für ein vermeintliches Mentoringprogramm rekrutiert haben. Um dort Mitglied zu werden, sollten die Frauen kompromittierendes Material über sich und ihre Familien bei Mack abliefern. Damit sollten sie später erpresst werden, für den Fall, dass sie die Organisation wieder verlassen wollten. Vielen Opfern soll ein Brandzeichen mit den Initialen Ranieres aufgedrückt worden sein.

Die US-Schauspielerin Allison Mack

APA/AFP/Getty Images/Evan Agostini

Allison Mack im Jahr 2006

Mack soll die Frauen direkt zu Sex mit Raniere gezwungen haben, dem sie selbst hörig gewesen sein soll. Laut Anklage soll Raniere mit einer ständig wechselnden Gruppe von 15 bis 20 Frauen sexuell aktiv gewesen sein, schreibt der „Guardian“. Laut Bericht wurde Mack zuletzt gesehen, als sie hinter jenem Auto herlief, in dem Raniere nach seiner Verhaftung in Mexiko weggefahren wurde.

15 Jahre Haft drohen

Bei einer ersten Einvernahme am Freitag vor einem Gericht in Brooklyn plädierte Mack auf nicht schuldig. In der Anklage wird sie als erste Mittäterin bezeichnet. Am Montag soll über eine mögliche Kaution entschieden werden. Mack spielte in der TV-Serie „Smallville“, die die Kindheit und den Aufstieg von Superman erzählt, sowie in den Filmen „Liebling, jetzt haben wir uns geschrumpft“ und „Lucas, der Ameisenschreck“. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu 15 Jahre Haft.

Pyramidensystem mit „Sklavinnen“ und „Meistern“

Die Vorwürfe betreffen eine kleinere Einheit, die innerhalb von Nxivm bestand. Mitglieder dieser Gruppe sollen Frauen gezielt als „Sklavinnen“ angeworben haben, die nicht nur ihrem direkten „Meister“, sondern auch allen anderen Meistern darüber zur Verfügung stehen sollten, schreibt die BBC. Raniere soll an der Spitze der Organisation gestanden sein.

Gerichtszeichnung von Keith Raniere

APA/AP/Elizabeth Williams

Raniere, Zweiter von rechts, bei einer Anhörung Mitte April

In einem Bericht der „New York Times“ („NYT“) geben ehemalige Nxivm-Mitglieder an, von den Vorgängen nichts gewusst zu haben. Laut „NYT“ wurden genauere Untersuchungen der Sekte immer wieder abgelehnt. Derzeit suche das FBI gezielt Opfer dieses „Pyramidensystems“, sagte ein FBI-Sprecher laut „Guardian“.

Bekannte Namen unter Mitgliedern

Ehemalige Mitglieder beschreiben Raniere und die gesamte Gruppe als manipulativ. Die Opfer sollten „weibliche Schwächen“ wie zu viele Emotionen und das Einnehmen der Opferrolle ablegen und sich dazu einem „Meister“ unterwerfen. Jeder „Meister“ hatte mehrere „Sklavinnen“. Wer nicht gehorchte, wurde bestraft - auch durch Hungern, nicht zuletzt um Ranieres Vorstellungen zu entsprechen.

Auch die Tochter der US-Schauspielerin Catherine Oxenberg war laut „NYT“ in die Kreise der Sekte geraten. Die Schauspielerin Kristin Kreuk war ebenfalls Mitglied bei Nxivm. Sie habe aber keine neuen Mitglieder angeworben, sondern sei nach einem Selbsthilfekurs vor zwölf Jahren bei der Gruppe geblieben und vor fünf Jahren ausgestiegen.

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