Golan: Ministerium wusste nicht von Rolle der Österreicher

Im Fall der auf dem Golan erschossenen syrischen Geheimpolizisten hat das Verteidigungsministerium in Wien nur von der Schießerei an sich gewusst, nicht jedoch von der Involvierung der Österreicher. Das sagte Ministeriumssprecher Oberst Michael Bauer heute auf APA-Anfrage.

Dass österreichische UNO-Soldaten betroffen waren, sei aus dem damals vorgelegten Bericht nicht ersichtlich, so Bauer: „Das war wohl auch der Grund, warum die UNO keine Untersuchung eingeleitet hat.“ Der Sprecher erläuterte, dass die Österreicher als Blauhelmsoldaten nicht mehr dem nationalen, sondern ausschließlich dem UNO-Kommando unterstellt waren.

Untersuchungskommission startet Befragungen

Bauer gab außerdem bekannt, dass die vom Verteidigungsministerium eingesetzte Untersuchungskommission morgen mit den Befragungen zu dem Vorfall beginnen werde. Die Auskunftspersonen der Kommission würden nur Einheimische sein: „Wir können nur Österreicher befragen.“ Allerdings habe die UNO ihre Zusammenarbeit erklärt. „Auch die UN werden Interesse haben, das aufzuklären.“

Hofer nimmt Soldaten in Schutz

Regierungskoordinator Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) nahm heute in der Sache die österreichischen UNO-Soldaten in Schutz. Es sei für Außenstehende schwierig, solche Situationen zu beurteilen. Das wisse er aus eigener Erfahrung als Soldat im Grenzschutzeinsatz, sagte Hofer im Pressefoyer.

Er könne jedenfalls nicht beurteilen, ob sich die österreichischen UNO-Soldaten schuldhaft verhalten haben. In der Causa gebe es jedenfalls eine Kommission, die das prüfen werde.

Die Wiener Wochenzeitung „Falter“ hatte in der Vorwoche ein in der Golan-Region im Jahr 2012 aufgenommenes Video veröffentlicht. Aus diesem geht hervor, dass österreichische Blauhelmsoldaten die Einfahrt syrischer Geheimpolizisten in einen tödlichen Hinterhalt nicht verhindert hatten.