IGGÖ-Präsident spricht sich gegen weitere Moscheen aus

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ibrahim Olgun, sieht keinen Bedarf für weitere Gebetshäuser in den Städten. „In Wien brauchen wir keine Moscheen mehr“, sagte er. Für die Kriegsinszenierung mit uniformierten Kindern in Wien sieht er den dortigen Imam mitverantwortlich. An die Muslime appellierte er, sich besser zu integrieren.

„Wir müssen uns mehr darauf konzentrieren, dass wir andere wichtige Einrichtungen haben, die alle Menschen betreffen“, begründete Olgun seine Absage. So gebe es zu wenig Flüchtlingsunterkünfte, Waisenhäuser und Schulen. Dennoch ist der IGGÖ-Präsident davon überzeugt, repräsentative Moscheen mit Kuppel und Minarett „österreichischer Prägung“ seien eine Bereicherung. Aber: „Was sollen wir mit einer Moschee machen, wenn die Gesellschaft Vorurteile hat und diese Moscheen als parallele Strukturen sieht?“

„Der Imam hatte keine radikalen Gedanken“

Rund 350 islamische Gebetshäuser unterstehen der IGGÖ - auch jenes des türkischen Vereins ATIB, das aufgrund von Kriegsinszenierungen mit Kindern in den Fokus der Politik geraten war. Die Veranstaltung sei offenbar eine Idee des dortigen Geistlichen gewesen, bestätigte Olgun. „Der Imam hatte keine radikalen Gedanken, nur, er hatte keine Ahnung gehabt, wie das hier ist. Dass so etwas in Österreich in einer Moschee keinen Platz hat.“

Verärgert zeigte sich Olgun, der den Vorfall bereits öffentlich verurteilt hat, über den Umstand, dass geistliche Räumlichkeiten für eine unangemessene Veranstaltung benutzt worden seien. „Ich bin nicht dagegen, dass irgendwelche angemessenen Gedenkveranstaltungen im legalen Bereich gemacht werden. Aber ich habe ein Problem, wenn sie im Gebetsbereich gemacht werden“, sagte er und wies auch auf das neue Islamgesetz hin, welches das regelt.

Olgun richtet Appell an Muslime

„Das Ansehen unserer Moscheen wurde beschädigt, und das darf nicht der Fall sein“, sagte Olgun. Die Reaktion der Politik auf solche Vorfälle sieht er dennoch überzogen. Es sei „sehr schade und sehr traurig“, dass Muslime dadurch unter Generalverdacht gestellt würden. Sollte eine Kirche oder Synagoge betroffen sein, geschehe das nicht in diesem Ausmaß.

An die Muslime in Österreich richtete der IGGÖ-Präsident einen Appell: „Sie sollen sich bitte vorbildhaft in die Gesellschaft einbringen.“ Ein Aufeinanderzugehen, „anstatt übereinander zu sprechen“, wünscht er sich auch von der Mehrheitsgesellschaft. Dennoch meint er: „Den meisten Schaden an unserer Religion selbst haben leider unsere eigenen Muslime angerichtet. Ich kann das seit zwei Jahren in meiner Funktion als Präsident bestätigen.“