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Sorge vor weiteren Spannungen in Region

Am Montag haben Tausende Palästinenser im Gazastreifen gegen die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem protestiert. Einige Gruppen näherten sich steinewerfend dem Grenzzaun. Es kam zu schweren Zusammenstößen mit israelischen Soldaten.

Schon Stunden vor der Veranstaltung stieg die Zahl der Todesopfer rasant. Mindestens 37 Menschen starben, etwa 1.700 wurden verletzt. Das gab das Gesundheitsministerium im Gazastreifen an. Seit Ende März sind dort bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten 71 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Beim „Marsch der Rückkehr“ forderten Zehntausende ein Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet.

Hoher Besuch aus Washington

Auch in Ramallah im Westjordanland nahmen rund 5.000 Palästinenser an einem Protestmarsch teil. Sie trugen palästinensische und schwarze Flaggen sowie Schlüssel. Damit wiesen sie auf ihre Forderung nach einer Rückkehr in die Gebiete hin, aus denen 1948 im Zuge der israelischen Staatsgründung Hunderttausende Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Demonstranten verbrannten auch eine US-Flagge.

Brennende Autoreifen in Gaza

APA/AFP/Said Khatib

Brennende Reifen in Gaza: Die Botschaftsverlegung löste schwere Proteste aus

US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem im Dezember im Alleingang als Hauptstadt Israels anerkannt. Am Montag, dem 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel, wurde die Botschaft in Jerusalem im Beisein von rund 800 Gästen eröffnet. Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump sowie ihr Mann und Trump-Berater Jared Kushner waren anwesend und wurden von Botschafter David Friedman begrüßt.

Netanjahu wirbt um weitere Botschaften

Israel hatte den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert. Den Anspruch der Palästinenser auf Ostjerusalem als Hauptstadt eines eigenen Staates Palästina lehnt Israel ab. Doch die internationale Gemeinschaft pocht darauf, dass der künftige Grenzverlauf in Verhandlungen beider Seiten geklärt wird.

Grafik zur US-Botschaft in Jerusalem

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach vor der Botschaftseröffnung von einem „bewegenden Tag für das Volk Israel und den Staat Israel“. Zuvor hatte er alle Länder dazu aufgerufen, ihre Vertretungen ebenfalls nach Jerusalem zu verlegen. Das sei der richtige Schritt und diene dem Frieden, sagte Netanjahu am Sonntag bei einer Feier mit US-Repräsentanten im israelischen Außenministerium in Jerusalem.

Moskau besorgt

Russland äußerte sich besorgt über die Verlegung der US-Botschaft. Das könne die Spannungen im Nahen Osten weiter verstärken, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow russischen Agenturen zufolge. „Wir haben diese Befürchtungen“, sagte er in Moskau.

Vorbereitungen zur Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem

APA/AFP/Menahem Kahana

Letzte Vorbereitungen für die Eröffnung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in London, Amerika sei nun nicht mehr Teil der Lösung des Nahost-Konflikts, sondern Teil des Problems. Washington habe seine „Rolle als Vermittler im Friedensprozess des Nahen Ostens verwirkt und verloren“, fügte Erdogan hinzu. Mit der Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem trete Washington „das internationale Recht mit Füßen“.

Terroraufruf im Netz

Auch Terroristen nutzten am Montag die Proteste, um zu Widerstand aufzurufen. Es sei nötig, die Feinde vereint mit einem Dschihad zu bekämpfen, sagte der Chef von al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, in einem Video, das auf Propagandakanälen der Extremisten im Internet auftauchte. Sawahiri kritisierte zudem Trump, der „das wahre Gesicht der Kreuzzüge“ enthüllt habe.

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