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Hilfe bei Rückeroberung durch Assad

Seit der russischen Intervention im Syrien-Krieg im September 2015 ist die Zahl der Luftangriffe auf die Regierungsgegner einer Studie zufolge um 150 Prozent gestiegen. Nur rund 14 Prozent der Luftangriffe hatten die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zum Ziel, wie das in London ansässige Institut Jane’s IHS am Dienstag berichtete.

Russland rechtfertigt seine Intervention vor allem mit dem Anti-IS-Einsatz. Laut dem Bericht konnte das Regime von Präsident Baschar al-Assad im selben Zeitraum die Kontrolle über fast die Hälfte des Landes zurückgewinnen. Während Damaskus im September 2015 nur noch 16 Prozent des Staatsgebiets kontrolliert habe, seien es Ende März dieses Jahres bereits 47 Prozent gewesen.

Konfliktverlauf „entscheidend verändert“

Die russische Intervention habe damit nicht nur das Überleben des Regimes gesichert, sondern den Konfliktverlauf entscheidend verändert, heißt es in dem Bericht. Die russische Unterstützung habe den syrischen Streitkräften Räume eröffnet und Zeit verschafft, um sich an strategischen Punkten in Stellung zu bringen und ihre Kräfte für die Rückeroberung und die anschließende Absicherung von Rebellengebieten zu bündeln, sagte Matthew Henman, Chef des Jane’s Terrorism and Insurgency Center.

Keine neuen Luftabwehrraketen

Russland liefert nun doch keine Luftabwehrraketen vom Typ S-300 an seinen Verbündeten Syrien. Es würden derzeit keine Gespräche mit der Regierung in Damaskus geführt, zitierte die russische Zeitung „Iswestija“ am Freitag Wladimir Koschin, einen engen Mitarbeiter von Präsident Wladimir Putin.

Die syrische Regierung habe keinen Bedarf an diesen Raketen, sie habe alles, was sie brauche, sagte Koschin, der für die militärische Unterstützung Russlands für andere Staaten verantwortlich ist. Noch im April hatte Russland erwogen, die Waffen nach Syrien zu liefern. Durch westliche Angriffe auf den Verbündeten sei Russland von jeder moralischen Verpflichtung entbunden, die Raketenlieferung zurückzuhalten, hatte Außenminister Sergej Lawrow gesagt.

Nach Netanjahu-Besuch in Moskau

Putins Berater Koschin äußerte sich unmittelbar nach dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Moskau, der den russischen Präsidenten zum Verzicht auf die Waffenlieferung gedrängt hatte. Israel befürchtet, die Wirksamkeit seiner Luftwaffe könnte beschnitten werden, sollte die schiitische Hisbollah-Miliz, die an der Seite von Assad kämpft, in den Besitz moderner S-300-Systeme gelangen. Diese feuern von Fahrzeugen aus Raketen ab, mit denen Flugzeuge sowie Kurz- und Mittelstreckenraketen abgeschossen werden können.

Israel hat bereits Dutzende Angriffe auf mutmaßliche Waffenlieferungen in Syrien geflogen. Erst am Donnerstag zerstörte Israel nach eigenen Angaben nahezu die gesamte militärische Infrastruktur des Iran in Syrien. Zuvor hatten iranische Revolutionsgarden nach israelischen Angaben aus Syrien heraus israelische Armeestellungen auf den von Israel seit den 1980er Jahren annektierten syrischen Golanhöhen mit Raketen beschossen.

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