Angebliche Schwarzgeldkassa an deutscher Botschaft in Paris

Eine angebliche Schwarzgeldkassa an der deutschen Botschaft in Paris beschäftigt seit gestern die französische Justiz. Auslöser sind beträchtliche Entschädigungsforderungen eines früheren Angestellten, der arbeitsrechtlich gegen seine Entlassung vorgeht.

Der 28-jährige Kläger war im Frühjahr 2016 nach siebeneinhalb Jahren Dienstzeit in der Botschafterresidenz Palais Beauharnais gekündigt worden. Zur Begründung wurde „respektloses Verhalten“ gegenüber dem Koch der Residenz angegeben.

Der Anwalt des ehemaligen Angestellten - ein Oberkellner in der Botschafterresidenz - sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, sein Mandant sei „Kollateralschaden einer ziemlich schmutzigen Abrechnung“ unter zwei Mitarbeitern vor dem Hintergrund eines Systems von Schwarzarbeit.

Saftige Forderungen

Bereits im November vergangenen Jahres hatte derselbe Anwalt, Antoine Gillot, von einem System nicht deklarierter Barzahlungen gesprochen, das im Jahr 2007 „mit Zustimmung des deutschen Außenministeriums“ eingerichtet worden sei.

Laut einem damaligen Bericht der Zeitung „Le Monde“ erhielten Mitarbeiter der Pariser Botschaft neben ihrem Gehalt Barzahlungen, teilweise dank eines Systems von Scheinrechnungen im Zusammenhang mit Firmenveranstaltungen in den Räumen der Botschafterresidenz. „Le Monde“ bezifferte die auf diese Weise ausgezahlten Summen auf mehrere hunderttausend Euro seit 2007. Dem Anwalt zufolge wurde der frühere Oberkellner 2015 nach einem Streit um eine zwischen den Angestellten verteilte Restsumme aus der Schwarzen Kassa auf der Grundlage falscher Vorwürfe entlassen.

Er fordert 100.000 Euro wegen ungerechtfertigter Entlassung, 50.000 Euro wegen Mobbings, weitere 40.000 Euro für geleistete Überstunden und fast 30.000 Euro für schwarz geleistete Arbeit. Eine Anwältin der deutschen Botschaft wies vor Gericht sämtliche Vorwürfe zurück mit Ausnahme der Barzahlungen bei privaten Veranstaltungen in der Residenz zurück. Ein Urteil in dem Rechtsstreit soll am 19. Juni fallen.