ORF-Stiftungsrat wählte Steger zum Vorsitzenden

Der freiheitliche Stiftungsrat und frühere FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger ist gestern zum neuen Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats bestellt worden. Bei der konstituierenden Sitzung des 35-köpfigen Gremiums stimmten 25 Mitglieder für ihn, neun gegen ihn, ein Mitglied enthielt sich.

Die im Vorfeld kritischen Bundesländervertreter konnte Steger mehrheitlich überzeugen, sieben von ihnen stimmten für ihn - darunter auch der Vertreter des rot-blau regierten Burgenlands. Der Bürgerliche Franz Medwenitsch wurde einstimmig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Vor einigen Wochen hatte Steger für Wirbel gesorgt, als er mit Einschnitten bei den ORF-Auslandskorrespondenten gedroht hatte. Heute habe er diese im Stiftungsrat aber als „Asset“ bezeichnet, das ihm „am Herzen liegt“, so der von der Bundesregierung entsandte Alfred Trendl. Steger habe in der Sitzung die Korrespondentenbüros des ORF „völlig außer Streit gestellt“.

Keine Kritik an Chefs erwünscht

Gefragt nach den Schwerpunkten seiner Funktionsperiode, nannte Steger Journalisten gegenüber, es sei ihm ein Anliegen, „dass man aufhört, als Mitarbeiter zum Beispiel öffentlich den Generaldirektor zu kritisieren“. Er „nenne keine Namen“, sagte er auf Nachfrage, und ergänzte: „Auch der Stiftungsrat wurde mehrfach kritisiert.“

Der Anmerkung eines Journalisten, er habe in der Vergangenheit „Drohkulissen“ gegen ORF-Journalisten aufgebaut, widersprach Steger nicht direkt. „Ich finde, es hat schon gewirkt“, meinte er vielmehr. Armin Wolf etwa schaue nicht mehr böse, wenn ihm ein FPÖ-Politiker gegenübersitze. Ein Aufsichtsrat dürfe schon auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, sagte er weiter, als „Oberzensor“ wolle er aber nicht auftreten.

ORF-Führung „so was von unbedroht“

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wurde von Steger als „unglaublich gescheiter Generaldirektor“ gelobt. Und überhaupt sei die ORF-Geschäftsführung „ja so was von unbedroht, die brauchen sich ja nicht zu fürchten“, so Steger.

Wrabetz selbst berichtete von einer konstruktiven Sitzung. Kommende Wochen sollen die wesentlichen Personalentscheidungen, also Channelmanager und Chefredakteure, für das Fernsehen kommuniziert werden.