A4-Prozess: Hauptangeklagter wies erneut Schuld von sich

Der Hauptangeklagte im Prozess um den Tod von 71 Flüchtlingen, die 2015 in einem auf der A4 bei Parndorf abgestellten Lkw entdeckt worden waren, hat gestern vor Gericht in der ungarischen Stadt Kecskemet erneut den Mordvorwurf und die Rolle des Bandenchefs zurückgewiesen. Er beteuerte wiederholt, den Tod der 71 Flüchtlinge nicht gewollt zu haben.

„Nicht Befehlshaber der Organisation“

Er habe kein Interesse an einer solchen Tragödie gehabt, habe sich eher um das Wohl und die Sicherheit der Flüchtlinge gesorgt. Die Chefs der Schlepperorganisation seien „Amin“ und „Kairo“ gewesen, die im Verborgenen agierten und deswegen noch flüchtig seien. Er persönlich war keinesfalls der Befehlshaber der Organisation.

Mitangeklagte beschuldigten den Afghanen der Lüge, da er versuchen würde, jegliche Schuld für die Tragödie von sich zu weisen. Am 25. Mai soll die Verhandlung laut Gerichtssprecher mit eventuellen Geständnissen von Angeklagten und der Bekanntgabe weiterer Dokumente fortgesetzt werden.

In dem Prozess sind insgesamt 14 Personen - elf Bulgaren, zwei Afghanen sowie ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger - angeklagt. Sie sollen Schuld am Erstickungstod der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak sein. Unter den 71 Todesopfern waren vier Kinder. Drei der 14 Angeklagten sind noch auf der Flucht. Seit Juni 2017 wird in Kecskemet verhandelt, weil die Flüchtlinge auf ungarischem Staatsgebiet ums Leben kamen.