Auszählung beendet: Irland klar für Recht auf Abtreibung

In einer historischen Volksabstimmung haben sich die Iren gestern überraschend klar mit einer Zweidrittelmehrheit dafür ausgesprochen, ihre seit Jahrzehnten geltenden strengen Abtreibungsregeln zu lockern.

Jubel bei irischen Befürwortern von Recht auf Abtreibung

AP/Peter Morrison

Laut dem heute Abend veröffentlichten Endergebnis votierten 66 Prozent der Teilnehmer für das Recht auf Abtreibung. Die Beteiligung lag bei 64 Prozent. Ministerpräsident Leo Varadkar begrüßte das eindeutige Ergebnis. Er sprach von „einer stillen Revolution“, die sich in den vergangenen zehn bis 20 Jahren in Irland Bahn gebrochen habe.

Bisher bis zu 14 Jahre Gefängnis

Abgestimmt wurde über die Streichung eines Verfassungszusatzes von 1983, der Schwangerschaftsabbrüche bislang faktisch unmöglich macht. Wer dagegen verstößt, kann mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst nach einer Vergewaltigung, Inzest oder bei einem kranken Fötus ist in Irland ein Schwangerschaftsabbruch untersagt.

Tausende irische Frauen reisen jährlich nach Großbritannien und in andere Länder, um Abtreibungen vornehmen zu lassen. Nach dem Willen der Regierung soll nun bis Jahresende das Parlament Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche legalisieren. Das Referendum hatte bereits gestern stattgefunden, ausgezählt wurde heute.

Gegner sehen „Tragödie historischen Ausmaßes“

Im Vorfeld hatte es eine erbitterte Debatte gegeben. Die Gegnerinnen und Gegner einer Gesetzeslockerung räumten ihre Niederlage ein. Als eine „Tragödie historischen Ausmaßes“ bezeichnete die Gruppe mit dem Namen Save the 8th das Ergebnis des Referendums. „Unrecht wird nicht deshalb zu Recht, nur weil eine Mehrheit es unterstützt“, teilte die Gruppe mit.

Die Befürworterinnen und Befürworter der Abschaffung feierten hingegen ihren Wahlsieg. In der Innenstadt von Dublin versammelten sich Tausende Menschen, vielerorts wurde getanzt und gesungen. Varadkar sagte dem TV-Sender RTE, die Bürger hätten deutlich gemacht, „dass sie eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen“. Die Abstimmung zeige überdies, dass die Menschen in Irland den betroffenen Frauen trauen und sie in ihrer Entscheidungsfreiheit respektieren.