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Anfang Juni aus Deutschland geflohen

Der im Fall Susanna gesuchte 20-jährige Verdächtige ist gefasst. Der mit seiner Familie aus Deutschland geflohene Ali B. sei in der Nacht auf Freitag von kurdischen Sicherheitskräften im Nordirak auf Bitten der deutschen Bundespolizei festgenommen worden, sagte der deutsche Innenminister Horst Seehofer bei der Innenministerkonferenz in Quedlinburg.

Er lobte die erfolgreiche Zusammenarbeit der kurdischen Behörden mit der Bundespolizei. B. wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben. Das Mädchen wurde vor mehr als zwei Wochen vermisst gemeldet. Am Mittwoch wurde ihre Leiche in einem Erdloch in Wiesbaden gefunden. Nach ersten Angaben der Ermittler war die Schülerin durch „Gewalteinwirkung“ auf den Hals zu Tode gekommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um eine Vergewaltigung zu vertuschen.

Ein in Zusammenhang mit der Tat zunächst ebenfalls festgenommener 35-jähriger Türke wurde am Donnerstagabend wieder freigelassen. Gegen den Mann besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr, wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Donnerstagabend in Frankfurt sagte.

Andere Namen auf Tickets als auf Dokumenten

Die Ermittlungen konzentrierten sich daraufhin allein auf B. Er war Anfang Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus über die Türkei in den Nordirak geflohen. Laut einem Ministeriumssprecher in Berlin hatte die Familie Laissez-passer-Papiere gehabt. Diese Papiere würden von der EU oder Deutschland ausgestellt, wenn kein gültiger Reisepass vorliege. Der Mann sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Journalisten fotografieren bei einer Pressekonferenz ein Foto des Verdächtigen

picturedesk.com/dpa/Boris Roessler

Der Fall rief großes Medieninteresse hervor

Bei der Kontrolle in Düsseldorf legten die acht Familienmitglieder laut Bundespolizei die Ersatzdokumente sowie deutsche Aufenthaltsgenehmigungen vor. Ein Abgleich der Daten auf Pässen und Flugtickets fand dabei nicht statt. Die Bundespolizei erklärte dazu, dass das derzeit rechtlich nicht möglich sei. Auf den Tickets nutzte die Familie andere Namen als auf ihren offiziellen Dokumenten.

Mehrere Verfahren anhängig

Der mutmaßliche Täter war den Behörden bereits vor der Tat bekannt. Der Iraker lebte in einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft. Er kam Medienberichten zufolge im Herbst 2015 nach Deutschland. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren, unter anderem wegen Raubüberfalls. Sein Asylantrag war im Dezember 2016 abgelehnt worden, wogegen er geklagt hatte.

Politik fordert Aufklärung

Der Fall Susanna hatte in Deutschland auch zu einer politischen Debatte geführt. Die AfD nutzte den Fall, um erneut die Flüchtlingspolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu kritisieren. Susannas Tod sei „kein blinder Schicksalsschlag“, sagte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel. „Susanna ist ein weiteres Opfer der heuchlerischen und egoistischen Willkommenspolitik“, sagte Weidel.

Dagegen hieß es von Grünen-Chefin Annalena Baerbock, der oder die Täter müssten mit der ganzen Härte des Rechtsstaats bestraft werden. „Niemand sollte sich aber anmaßen, den Tod dieses Mädchens zu missbrauchen, um Hass zu säen.“ Es brauche Aufklärung in jeglicher Hinsicht, so Baerbock zur „Bild“-Zeitung. FDP-Chef Christian Lindner sagte ebenfalls der „Bild“, dass das Verbrechen zahlreiche Fragen aufwerfe. „Wieso werden abgelehnte Asylbewerber nicht konsequenter zurückgeführt? Warum konnte der Täter samt Familie offenbar unter falschem Namen ausreisen?“

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider forderte, dass schnell geklärt werde, „wie der Tatverdächtige entkommen konnte - und wie er möglichst schnell in Deutschland vor Gericht gestellt werden kann“. CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sprach sich für ein konsequentes Durchgreifen der Justiz in dem Fall aus. Zudem sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Man fragt sich, warum der Tatverdächtige, nachdem er bereits derart gewalttätig polizeilich in Erscheinung getreten war, nicht längst in Untersuchungshaft war?“

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