Kurz: Österreicher wissen um Holocaust-Verantwortung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat bei einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem die Verantwortung Österreichs für den Holocaust betont. „Österreich und die Österreicher tragen die schwere Verantwortung für die schrecklichen und beschämenden Verbrechen, die in der Schoah begangen wurden“, sagte Kurz heute in einer Ansprache.

„Wir Österreicher wissen, dass wir für unsere Geschichte verantwortlich sind“, sagte der Bundeskanzler weiter. Er betonte die Verpflichtung, dass die Schoah nie wieder geschehen dürfe und dass die künftigen Generationen diese schrecklichen Verbrechen nicht vergessen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

APA/Robert Jäger

Grundsatzabkommen unterzeichnet

Anlass für Kurz’ Besuch in Israel ist das Gedenkjahr 1938/2018, er wird von ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann begleitet. Die erste Station der gemeinsamen Reise war Jad Vaschem. Die Republik Österreich will sich mit einer Million Euro am geplanten Bau eines neuen Shoah Heritage Collections Center beteiligen. Dieses neue Zentrum, das zusätzliche Lagerungsmöglichkeiten und Konservierungslabors für Artefakte, Kunstwerke und Dokumentationen aus der Zeit des Holocausts bieten wird, soll einen wichtigen Beitrag zur fortgesetzten Erforschung des Holocausts leisten.

Kurz und der Jad-Vaschem-Vorsitzende Avner Schalev unterzeichneten ein Grundsatzabkommen, das Jad Vaschem den Zugang zum Österreichischen Staatsarchiv und der Mauthausen-Gedenkstätte ermöglicht, wie auch der österreichische Botschafter Martin Weiss via Twitter mitteilte. Schalev und Faßmann unterzeichneten ein Abkommen, das Hunderten Lehrenden die Möglichkeit bieten soll, an Schulungen in Yad Vaschem teilzunehmen.

Deutsch: Kurz Garant gegen Antisemitismus

Deborah Hartmann von der International School of Holocaust-Studies, die Kurz und seine Delegation, durch Jad Vaschem führte, erinnerte den Bundeskanzler auch an seine Verantwortung für die Zukunft. Sie kritisierte, dass es in Kurz’ Koalitionspartner FPÖ noch immer Politiker gebe, „denen man erklären muss, was die Schoah war, von welcher Katastrophe wir eigentlich sprechen.“ Sie sprach von 30 antisemitistischen Vorfällen der FPÖ.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, sprang zur Verteidigung von Kurz ein. Der Bundeskanzler sei „der Garant dafür“, gegen alles, was mit Antisemitismus zu tun habe, zu arbeiten, betonte Deutsch.

Gespräche über „Gedenkdienst“

Kurz’ Besuch in Jad Vaschem wurde nun doch von österreichischen Gedenkdienstleistenden begleitet. Der Verein Gedenkdienst hatte zuvor mit einem Boykott gedroht, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Verein „ausgehungert“ werde, wie die Organisation mitgeteilt hatte. Nach diesem Aufruf wurde angekündigt, dass es nun Gespräche mit der Regierung gebe.

Im Anschluss an Jad Vaschem besichtigte Kurz das Herzl-Museum zu Ehren des Begründers des politischen Zionismus, Theodor Herzl (1860 bis 1904). Am Grab des ehemaligen Präsidenten Schimon Peres wurde ein Kranz niedergelegt. Auch die Besichtigung der Max Rayne Hand-in-Hand School der Jerusalem Foundation stand auf dem Programm. Die 1998 gegründete Schule ist die einzige weltweit, in der Hebräisch und Arabisch sprechende Kinder vom Kindergarten bis zum Schulabschluss gemeinsam unterrichtet werden.