Lebensmittelindustrie: „Handarbeit“ vom Förderband

Ob „traditionell“, nach „Großmutters Art“ oder „in Handarbeit“ hergestellt, Fruchtsäfte und fruchthaltige Milchprodukte, Vollkornbrot, -kekse und -nudeln: Besonders bei „boomenden“ Produkten wie diesen greifen Lebensmittelhersteller laut einem heute vorgestellten Bericht der Europäischen Verbraucherorganisation (BEUC) immer wieder tief in die Trickkiste.

Darauf verweisen laut BEUC die in Kooperation mit Verbraucherschutzorganisationen aus zehn EU-Mitgliedsländern aufgedeckte Produkte, bei denen erst bei genauem Blick auf das Kleingedruckte deutlich werde, dass der erste Eindruck der Verpackung wenig mit dem tatsächlichen Produkt zu tun habe.

Eine Heidelbeere auf zehn Kekse

Auch als „natürlich“ verkaufte Produkte würden sich sowohl im Herstellungsverfahren wie auch bei den Zutaten kaum von herkömmlichen Industrieprodukten unterscheiden, wie BEUC in diesem Fall am Beispiel eines „Natürlichen Truthahnfilets“ aus Norwegen mit 47 Prozent Anteil Hühnerfleisch oder eine italienische Artischockensuppe mit gerade einmal 2,7 Prozent Artischocken untermauert.

Unter den angeführten Beispielen findet sich auch Ananas- und Kokossaft, dessen Inhaltsstoffe dann hauptsächlich Orangen und Bananen seien, Vollkornnudeln „mit kaum einer Faser“ Vollkorn oder Heidelbeerkekse, bei denen auf zehn Kekse eine Heidelbeere komme.

BEUC verweist auf das geltende EU-Recht, das an sich bereits eine irreführende Kennzeichnung und Verpackung von Lebensmittel verbietet - den Vorwürfen zufolge gebe es allerdings nach wie vor einen zu großen Graubereich, um Produkte so aussehen zu lassen, als seien sie von besserer Qualität, als sie tatsächlich sind.