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Angriffsziel ist Lebensader für Nordjemen

Die von Saudi-Arabien geführte Koalition hat mehreren Quellen zufolge ihren größten Angriff seit Beginn des Krieges im Jemen vor drei Jahren gestartet. Kampfjets und Kriegsschiffe attackierten am Mittwoch die Hafenstadt Hudaida am Roten Meer, wie die international anerkannte jemenitische Exilregierung mitteilte. Andere Quellen berichten, dass die Attacke kurz bevorstehe.

Hudaida ist der größte Hafen des Jemen und Lebensader für die Bevölkerung im Norden des Landes, der von den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen gehalten wird. Über Hudaida gehen 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen - darauf angewiesen sind laut UNO-Angaben 22 Millionen Jemeniten. Eine Unterbrechung des Nachschubs durch das Nadelöhr könnte den humanitären Kollaps für die Krisenregion bedeuten.

Schließung des Hafens droht

Die Hilfsorganisation Save the Children warnte, durch die Kämpfe seien in Hudaida etwa 300.000 Kinder in großer Gefahr. Familien drohten ins Kreuzfeuer zwischen Rebellen und Regierungstruppen zu geraten. Auch sei zu befürchten, dass der Hafen für Hilfslieferungen geschlossen werde. In der Stadt leben 600.000 Menschen.

Zerstörtes Krankenhaus

Reuters

Ein Spital der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen nach einem Luftangriff der Militärkoalition

Die Angaben zum Status der Offensive sind noch widersprüchlich: Der arabische Nachrichtenkanal al-Arabija und weitere arabische TV-Sender berichteten über den Beginn der Offensive. Der rebellenkontrollierte Sender Al-Masirah meldete Luftangriffe auf Bauernhöfe am Rande der Stadt. Gleichzeitig berichtet hingegen die amtliche Nachrichtenagentur der Emirate, WAM, lediglich von einem Zusammenziehen der Streitkräfte vor der Stadt. Ziel sei, so hieß es von WAM, die Rückeroberung der Stadt. Zur Anwendung kämen hochentwickelte Waffensysteme.

UNO sieht „größte humanitäre Krise weltweit“

Seit Beginn des Konflikts im Jemen wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 10.000 Menschen getötet und mehr als 55.000 weitere verletzt. Außerdem starben mehr als 2.200 Menschen an Cholera. Die UNO beschreibt die humanitäre Krise im Jemen als die derzeit größte weltweit. 8,4 Millionen Menschen sind von einer Hungersnot bedroht. Der UNO-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern.

Nachschubkanäle sollen abgeschnitten werden

Die Militärkoalition unterstützt die jemenitischen Bodentruppen. Es ist das erste Mal seit ihrem Kriegseintritt 2015, dass die Militärallianz einen Angriff auf eine stark befestigte größere Stadt startet. Ihr Ziel ist es, den Nachschub der Huthi-Rebellen abzuschneiden und so die Aufständischen an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Militärfahrzeug in Hodeida (Jemen)

APA/AFP/Saleh Al-Obeidi

Kämpfer der Regierungstruppen auf den Straßen der Küstenstadt Aden

Die Huthis hatten die Hauptstadt Sanaa 2014 eingenommen und kämpfen gegen die jemenitischen Streitkräfte, die etwa von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt werden. Die beiden Staaten fürchten, dass der Iran mit der Unterstützung der Huthis seine Macht in der Region ausbauen will. Der Konflikt gilt als Stellvertreterkrieg.

Karte vom Jemen

Grafik: APA/ORF.at

Offensive vor Monaten gestartet

Die Regierungstruppen hatten im Oktober zusammen mit ihren Verbündeten eine großangelegte Militäroffensive gestartet, um auf den Seehafen von Hudaida vorzurücken. Die Kämpfe waren zuletzt nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) zufolge mussten Zehntausende Menschen wegen der Gewalt aus ihren Häusern fliehen. Der politische Prozess zwischen den Kriegsparteien ist festgefahren - Friedensgespräche waren zuletzt 2016 gescheitert.

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