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Handlungsbedarf durch neue Bedingungen

Österreich gilt wegen Topografie und Lage als besonders vom Klimawandel betroffen. Heuer gab es den heißesten Mai seit 1868. Unwetter, Überflutungen, Hitze und Trockenheit - damit könnte in den kommenden Jahren vermehrt zu rechnen sein. Nicht nur die Bevölkerung muss sich umstellen, auch viele in Österreich etablierte Wirtschaftszweige müssen sich anpassen.

Allein die jüngsten Unwetter in Niederösterreich, der Steiermark und in Salzburg verursachten laut Hagelversicherung Schäden in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Der Klima- und Energiefonds der Bundesregierung rechnet mit Schäden in Höhe von bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich bis zum Jahr 2050. Darauf müssen sich etwa Häuslbauer, Land- und Forstwirte sowie Winzer einstellen, aber auch ganze Regionen, besonders wenn sie sich etwa auf den Anbau bestimmter Produkte spezialisiert haben.

20 Regionen im Feldversuch

Seit Herbst 2016 läuft ein Pilotprojekt des Klima- und Energiefonds, zusammen mit Umweltministerium und Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), in der einige Regionen das „Klimawandel-Anpassungs-Programm“ (KLAR!) anwenden sollen. Dabei wurden für 23 Regionen Konzepte für ihre jeweilige Klimazukunft maßgeschneidert. Sie sollten dabei wissenschaftlich begleitet erfahren, mit welchem Klima in den kommenden Jahren bis 2050 zu rechnen sei, wie man sich darauf einstellen könne und welche Investitionen zu setzen seien. 20 davon gehen nun in die Umsetzung, mit dabei sind laut Umweltministerium 400.000 Menschen in 176 Gemeinden.

Dabei seien die Topthemen österreichweit Hitze, höhere Durchschnittstemperaturen, Trockenheit und Starkregen. Die Bevölkerung Wiens etwa muss sich laut Klimafonds auf eine Verdoppelung der Tropennächte (Temperatur fällt nicht unter 20 Grad Celsius) einstellen. Auch die Hitzewellen (Tageshöchsttemperatur an mehreren Tagen hintereinander liegt über 30 Grad Celsius) würden zunehmen. Im Jahr 2040 werde jeder vierte Sommertag in Wien ein Hitzetag sein.

Fichte wird verschwinden

Für die Touristiker dürften sich die Folgen direkt einstellen. Die Sommersaison werde stärker, die alpine Sommerfrische werde gefragt sein. „Der Wintertourismus wird vor allem in niedrigeren Lagen zu kämpfen haben“, so der Klimafonds. Die Saison werde etwa drei Wochen kürzer, die Schneedeckendauer gehe drastisch zurück.

Die Forstwirtschaft - der Sektor erzielt in Österreich jährlich einen Umsatz von zehn Milliarden Euro - wird laut den Prognosen stärker mit Schädlingen zu kämpfen haben. „Die heimischen Wälder sind durch Trockenheit und Hitze großem Stress ausgesetzt, zusätzlich macht der Borkenkäfer, der durch milde Winter begünstigt wird und sich bei höheren Temperaturen besonders gut vermehren kann, den Wäldern zu schaffen“, so der Klimafonds. Die Fichte werde aus unseren Wäldern langsam verschwinden. Darüber hinaus gehe die Holzproduktion zurück.

Neue Rotweinsorten

Als Beispiel für besonders betroffene Zweige werden auch Wein- und Obstanbau angeführt, diese spürten die späten Wintereinbrüche und die früher startende Vegetationsperiode. Der österreichische Weinbau werde teilweise auch profitieren: Die Rotweine würden besser, neue Sorten in heimischen Gefilden möglich. Für den Grünen Veltliner hingegen sehen die Experten schwarz: Hier könne es zu Qualitätseinbußen kommen, er werde Ende dieses Jahrhunderts wohl hauptsächlich noch im Waldviertel wachsen.

Eine der Pilotregionen ist das Pulkautal im Weinviertel. Die sechs Gemeinden mit der Fläche von 130 Quadratkilometern werden großteils landwirtschaftlich genutzt, auch Weinbau ist vertreten. Laut dem für das Pulkautal erstellte Klimakonzept sollen hier für den Zeitraum bis 2050 neue Rebsorte zum Einsatz kommen, die der dortigen Klimazukunft entsprechen. Auch sollen mehr Zisternen genutzt werden, um den Trockenperioden zu begegnen.

Die Betreiber des Pilotprojekts erstellten für die ausgesuchten Modellregionen jeweils spezielle Strategien, etwa neue Rebsorten anzupflanzen, klimaresistente Baumsorten zu setzen, die Errichtung von Trinkbrunnen, neu dimensionierte Bachbette und Versiegelung von Schotterböden. Die Umsetzung soll bis zum Jahr 2020 erfolgen, allein heuer ist ein Budget von 2,3 Millionen Euro vorgesehen. Danach soll die Überprüfung kommen.

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