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Bergung schneller als erwartet

Im Höhlendrama in Thailand sind jetzt die ersten Buben gerettet worden. Vier der insgesamt zwölf Buben, die über zwei Wochen gemeinsam mit ihrem Fußballtrainer eingeschlossen waren, konnten die Höhle nun verlassen. Das wurde am Sonntag in einer Pressekonferenz bestätigt.

Das Verteidigungsministerium berichtete zuerst sogar von sechs Geretteten: „Sechs von ihnen sind herausgekommen“, so ein Vertreter des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP gegenüber. Später wurde die Zahl revidiert: Damit befinden sich weiterhin acht Kinder und der ebenfalls eingeschlossene Fußballtrainer in der Tham-Luang-Höhle. Die ersten der geretteten Buben wurden am Sonntag bereits per Krankenwagen und Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht.

Zunächst wurden nur zwei gerettete Kinder bestätigt: „Zwei Kinder sind draußen. Sie sind jetzt auf dem Weg ins Basislager“, sagte Tossathep Boonthong, der Leiter des lokalen Gesundheitsdienstes der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden sie zunächst untersuchen“, so Boonthong. Wenig später veröffentlichte die Spezialeinheit der thailändischen Marine auf Facebook, dass bereits vier Burschen gerettet werden konnten.

Rettung vorerst unterbrochen

Dass die Hälfte der Buben bereits die Höhle verlassen konnte, ist überraschend: Zunächst war mit der Rettung nicht vor dem späten Abend (Ortszeit) gerechnet worden. Die Einsatzkräfte hatten sich zum Beginn des Rettungseinsatzes entschlossen, weil die Zeit wegen neuer Regenfälle knapp wurde.

Rettungskräfte in der Höhle

Reuters/

Die Rettungskräfte bahnten sich, wenige Stunden bevor die ersten Buben gerettet wurden, ihren Weg in die Höhle

Sinkende Wasserstände in der teilweise überfluteten Höhle könnten die Rettungsmission beschleunigt haben. Für Sonntagabend wurden jedoch weitere Monsunregen vorhergesagt, die den Wasserspiegel in der überfluteten Höhle wieder ansteigen lassen könnten. Nach Rettung der ersten Buben wurden die Rettungsarbeiten am Sonntag vorerst unterbrochen. Die Rettung der übrigen Kinder soll in der Nacht wieder anlaufen.

Kinder mussten sich an Tauen entlanghangeln

Da die Buben durch das schlammige Wasser praktisch nichts sehen können, wurden Taue befestigt, an denen sie sich entlanghangeln sollten. Wie gefährlich das Unterfangen ist, hatte am Freitag der Tod eines erfahrenen thailändischen Tauchers gezeigt, der auf dem Weg aus der Höhle wegen Sauerstoffmangels gestorben war. Die Buben und ihr Trainer waren erst in den vergangenen Tagen mit den Grundregeln des Tauchens vertraut gemacht worden, einige von ihnen können nicht schwimmen.

„Heute ist der Tag X“

Bevor die Rettungsaktion anlief, sagte der zuständige Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn zur Presse: „Heute ist der Tag X.“

„Ich kann bestätigen, dass wir heute für den Einsatz bereit sind“, so Osottanakorn. „Das Wetter ist gut. Der Wasserstand ist gut. Die Taucher sind bereit. Die Buben sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen.“ Laut dem „Guardian“ machten sich 18 Taucher auf den Weg in die Höhle.

Krankenhaus bereitete sich auf Rettung vor

Das nächstgelegene Krankenhaus bereitete sich auf die Buben vor. Vor dem Prachunakroh-Krankenhaus in der knapp 60 Kilometer entfernten Stadt Chiang Rai wurden Planen aufgestellt, die Sichtschutz bieten sollen. Zudem waren im thailändischen Fernsehen Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu sehen, die 13 Krankentragen vor dem Eingang aufstellten. Der achte Stock des Krankenhauses soll Berichten zufolge für die Geretteten reserviert sein.

Taucher mit Sauerstoffflasche in Höhle

APA/AFP/Royal Thai Navy

Die Buben sollten in Gruppen die Höhle verlassen

„Wir bringen sie nach Hause“

Das Taucherteam, bestehend aus 13 internationalen Tauchern und fünf Mitgliedern der thailändischen Marinespezialeinheit, zeigte sich vor dem Einsatz zuversichtlich. Auf der Facebook-Seite der thailändischen Navy SEALs veröffentlichten sie ein Bild, das ihren Teamgeist zeigt. Drei Taucher fassen sich an den Handgelenken, nur ihre Hände und Unterarme sind zu sehen, wie sie ein Dreieck bilden. „Wir, das Thai Team und das internationale Team, werden die Wild Boars (Name des Fußballteams, Anm.) nach Hause bringen“, steht darunter.

Gelände wurde abgesperrt

Unmittelbar vor Beginn der Rettungsaktion kamen Sporttaucher und Sanitäter zur Höhle. Darüber hinaus wurde das in der Nähe des Höhleneingangs platzierte provisorische Mediencamp mit mehr als 1.000 thailändischen und ausländischen Journalisten geräumt. Neu ankommenden Reporterinnen und Reportern wurde der Zugang verwehrt. Sie wurden mit der Ansage, später werde eine Pressekonferenz folgen, zu einem Regierungsgebäude weitergeleitet. Das Gelände werde für den Rettungseinsatz benötigt, teilte die Polizei mit. „Von der Lagebewertung her brauchen wir das Gebiet, um den Opfern zu helfen“, hieß es.

Grafik zur Höhle in Thailand

Grafik: ORF.at; Quelle: Rajabhat Mahasarakham University/French Federation of Speleology

Buben offenbar wegen Geburtstagsfeier in Höhle

Die Buben im Alter von elf bis 16 Jahren und ihr 25-jähriger Fußballtrainer sind seit dem 23. Juni in der überfluteten Höhle in der Provinz Chiang Rai eingeschlossen. Sie dürften die Höhle zunächst besucht haben, um darin Geburtstag zu feiern. Dann wurden sie aber offenbar von einer Sturzflut überrascht. Britische Taucher entdeckten sie am Montagabend mehr als vier Kilometer vom Höhleneingang entfernt und sorgten damit weltweit für Erleichterung.

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