NGO: Chinesische Fabriken gefährden Ozonschicht

Trichlorofluormethan, abgekürzt CFC-11, ist ein Gas aus der Gruppe der Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) und als solches eine große Gefahr für die Ozonschicht. Seit acht Jahren ist die Chemikalie deshalb weltweit verboten. Doch das Verbot ist brüchig. Laut der britischen Umwelt-NGO Environmental Investigation Agency (EIA) nutzen Unternehmen in China das Gas weiterhin für die Produktion von Polyurethan-Schaum (PU-Schaum).

Bereits im Mai hatten Forscherinnen und Forscher rund um Stephen Montzka von der US-Wetter- und -Ozeanografiebehörde gemeldet, dass die Konzentration von CFC-11 in der Atmosphäre in den vergangenen Jahren weniger schnell als angenommen abgenommen habe. Sie schlossen daraus, dass trotz des Verbots CFC-11 produziert und verwendet wurde, konnten aber nicht mit Sicherheit sagen, wo das Gas seinen Ursprung hatte. Irgendwo in Südostasien – näher ließ sich die Herkunft anfangs nicht eingrenzen.

Gleichgültigkeit gegenüber Verbot

Infolge des im Magazin „Nature“ veröffentlichten Berichts begann EIA mit einer eigenen Recherche. Die NGO fand nach eigenen Angaben eine Reihe von Fabriken, die das Gas womöglich zur Herstellung von Isolierschaum benutzten. Sie kontaktieren die Unternehmen und besuchten sie auch.

„Wir waren verblüfft, als wir herausfanden, dass 21 Unternehmen, 18 davon in China, bestätigten, dass sie CFC-11 verwendeten“, zitierte der „Guardian“ Avipsa Mahaptra von der NGO. Dabei sei den Unternehmen durchaus bewusst gewesen, dass die Nutzung des Gases verboten sei. Das sei ihnen aber äußerst gleichgültig gewesen, so Mahaptra. Außerdem hätten die Firmen darauf hingewiesen, dass der Gebrauch von CFC-11 in der Branche weit verbreitet sei.

Günstiger als ozonfreundliche Alternativen

Hartschaum aus Polyurethan ist – nicht nur in China - ein beliebter Dämmstoff. In der boomenden Bauwirtschaft des Landes besteht eine besonders hohe Nachfrage nach dem Stoff. CFC-11 ist nicht das einzige Treibgas, das eingesetzt werden kann, um aus Polyurethan festen Schaum zu bilden.

Doch es ist deutlich günstiger als die Alternativen, die der Ozonschicht keinen Schaden zufügen. Laut EIA sorgen lasche Kontrollen in China dafür, dass auf die zwar verbotene, aber günstige Variante gesetzt wird.

Bis zu 12.000 Tonnen jährlich in Atmosphäre

Die Umwelt-NGO geht in einer – nach eigenen Angaben vorsichtigen – Schätzung davon aus, dass von 2012 bis 2017 durch die PU-Schaum-Produktion zwischen 10.000 und 12.000 Tonnen CFC-11 in die Atmosphäre gelangten.

Montzka von der US-Wetter- und -Ozeanografiebehörde hielt die Entdeckungen der NGO für überzeugend. Er könne aber noch nicht mit Sicherheit sagen, welchen Anteil die Firmen in China tatsächlich hätten, sagte er gegenüber der BBC.